Bauwelt

Workload killed the Studio Star

Marie Bruun Yde mustert in der Redaktion die Haarprachten.

Text: Bruun Yde, Marie, Berlin

Workload killed the Studio Star

Marie Bruun Yde mustert in der Redaktion die Haarprachten.

Text: Bruun Yde, Marie, Berlin

Haarverlust, Ohnmacht, Erbrechen, Notruf.
In den vergangenen Wochen waren die dänischen Medien voller düsterer Berichte vom dysfunktionalen Arbeitsklima bei BIG. Im Fahrwasser der Proteste in London, wo Anfang des Jahres die Bjarke Ingels Group etwa 70 von 200 Angestellte entließ, äußerten sich nun mehr als 20 Kopenhagener Ex-„Bigsters“ zu ihren Erfahrungen. Die Vorwürfe reichen von himmelhohem Arbeitsdruck – das Verlassen des Büros um 19 Uhretwa gilt als „Walk of Shame“ – bis hin zu einer Null-Fehler-Kultur und damit Hexenjagd auf diejenigen, denen Fehler unterlaufen, sowie daraus resultierende Gesundheitsprobleme.
Die ehemalige HR-Leiterin Camilla Miehs erzählt, dass der Führungsebene die Krankheitssymptome bekannt waren, ohne dass Konsequenzen gezogen wurden. BIG-CEO Sheela Søgaard entgegnet: „Viele suchen gezielt den Weg zu BIG, weil sie auf höchstem Niveau arbeiten wollen. Umso wichtiger ist es, gerade jüngere und ambitionierte Mitarbeitende dabei zu unterstützen, das richtige Tempo zu finden.“ Als Beleg verweist sie auf Überstundenabbau und niedrige Zahlen stressbedingter Krankschreibungen.
Die junge Generation hat immer einen Sensor dafür, wo Interessantes passiert. Noch vor 20 Jahren lachten Kopenhagener Architekturkreise über eine Geschichte von illegaler Software bei BIG. Damals wurde das Büro mit einer spielerischen Stadt, Popkultur und Leichtigkeit verbunden, war cool. Auch waren in den Nullerjahren ausbeuterische Arbeitsverhältnisse noch cool. Heute nicht mehr. So fällt die Kritik auf fruchtbaren Boden, keiner nimmt das Büro in Verteidigung. Lieber stoßen Leute die ehemals Erfolgreichen vom Thron.
Wie prekär ist die Lage bei BIG? Overload in Architekturbüros gilt als offenes Geheimnis. Dominant waren jedoch die Erzählungen von Blut, Schweiß und Tränen im Dienst der höheren Sache. Flüsterleise hingegen: die Berichte über Burnout. Entscheidend ist daher weniger die Diagnose als die Frage, ob sich in der Arbeitswelt etwas ändert. Überbelastung ist in der Architektur längst systemisch. Dass die Stimmung nun kippt und eine kritische Masse erreicht ist, die einen öffentlichen Diskurs ermöglicht und destruktive Bürokultur tabuisiert, markiert eine Verschiebung der Norm.

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