Wie komponiert man eine Stadt?

Die Hochhauspläne der sieben größten deutschen Städte sind zum Teil noch sehr vage. Nur allmählich wachsen die Neubauten in die Höhe. Wir zeigen die aktuellen Pläne von: Hamburg, München, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Berlin und Stuttgart.

Text: Flagner, Beatrix, Berlin; Schick, Rosa, Berlin

    Hamburg: Baufeld 60 am Strandkai der Hafen-City, Richard Meier, 55 Meter, 96 Wohnungen
    Abb.: Richard Meier

    Hamburg: Baufeld 60 am Strandkai der Hafen-City, Richard Meier, 55 Meter, 96 Wohnungen

    Abb.: Richard Meier

    Hamburg: Baufeld 57 am Strandkai der Hafen-City, Hadi Teherani, 55 Meter, 90 Wohnungen
    Abb.: Moka Studio

    Hamburg: Baufeld 57 am Strandkai der Hafen-City, Hadi Teherani, 55 Meter, 90 Wohnungen

    Abb.: Moka Studio

    Hamburg: Baufeld 56 am Strandkai der Hafen-City, Ingenhoven Architects, 55 Meter, 90 Wohnungen
    Abb.: Moka Studio

    Hamburg: Baufeld 56 am Strandkai der Hafen-City, Ingenhoven Architects, 55 Meter, 90 Wohnungen

    Abb.: Moka Studio

    München: Hanns-Seidel-Platz, Delugan Meissl, 60 Meter, 160 Wohnungen
    Abb.: Architekten, on3Studio

    München: Hanns-Seidel-Platz, Delugan Meissl, 60 Meter, 160 Wohnungen

    Abb.: Architekten, on3Studio

    München: Studiomuc Neuperlach, Delugan Meissl, 50 Meter
    Abb.: Architekten

    München: Studiomuc Neuperlach, Delugan Meissl, 50 Meter

    Abb.: Architekten

    München: Hochhaus mit vertikalem Garten, Arabellastraße, Aika Schluchtmann, 52 Meter, 55 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    München: Hochhaus mit vertikalem Garten, Arabellastraße, Aika Schluchtmann, 52 Meter, 55 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    München: Hoffmann Höfe, ehemaliger Siemens-Standort, Rapp + Rapp, sieben Mal 42 Meter, gesamte Anlage: 1080 Wohnungen
    Abb.: PATRIZIA Immobilien AG

    München: Hoffmann Höfe, ehemaliger Siemens-Standort, Rapp + Rapp, sieben Mal 42 Meter, gesamte Anlage: 1080 Wohnungen

    Abb.: PATRIZIA Immobilien AG

    Frankfurt: Solid Home, Europaviertel, KSP Jürgen Engel, 66 Meter, 200 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Solid Home, Europaviertel, KSP Jürgen Engel, 66 Meter, 200 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Tower 90, Europaviertel, Jahn (Chicago) und Magnus Kaminiarz & Cie., 90 Meter, 263 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Tower 90, Europaviertel, Jahn (Chicago) und Magnus Kaminiarz & Cie., 90 Meter, 263 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Grand Tower, Europaviertel, Magnus Kaminiarz & Cie., 172 Meter, 400 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Grand Tower, Europaviertel, Magnus Kaminiarz & Cie., 172 Meter, 400 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Porsche Design Tower, Europa-Allee 69, blauraum, 80 Meter, 251 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Porsche Design Tower, Europa-Allee 69, blauraum, 80 Meter, 251 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    Frankfurt: One Forty West, Kulturcampus Bockenheim, Cyrus Moser, 140 Meter, 187 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    Frankfurt: One Forty West, Kulturcampus Bockenheim, Cyrus Moser, 140 Meter, 187 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Drei Schwestern, ehemaliges Grundstück Reichspostamt, Mux Dudler, 80 Meter, 300 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    Frankfurt: Drei Schwestern, ehemaliges Grundstück Reichspostamt, Mux Dudler, 80 Meter, 300 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    Köln: Rheintower, Köln-Mülheim, Kister Scheithauer Gross, 67 Meter, 104 Wohnungen
    Abb.: Kondor Wessel

    Köln: Rheintower, Köln-Mülheim, Kister Scheithauer Gross, 67 Meter, 104 Wohnungen

    Abb.: Kondor Wessel

    Köln: Boardinghouse und Mikro-Apartments, am Fernsehturm, Delugan Meissl, 60 Meter, 700 Wohnungen
    Abb.: iliveHolding

    Köln: Boardinghouse und Mikro-Apartments, am Fernsehturm, Delugan Meissl, 60 Meter, 700 Wohnungen

    Abb.: iliveHolding

    Berlin: Hines-Hochhaus, Alexanderplatz, Gehry Partners, 150 Meter
    Abb.: Hines

    Berlin: Hines-Hochhaus, Alexanderplatz, Gehry Partners, 150 Meter

    Abb.: Hines

    Berlin: Capital-Tower, Alexanderplatz, Ortner & Ortner Baukunst, 150 Meter
    Abb.: Architekten

    Berlin: Capital-Tower, Alexanderplatz, Ortner & Ortner Baukunst, 150 Meter

    Abb.: Architekten

    Berlin: Oasis, Tiergarten, nps Tchoban Voss / Staab Architekten, 50 Meter, 101 Wohnungen
    Abb.: Grossmann & Berger

    Berlin: Oasis, Tiergarten, nps Tchoban Voss / Staab Architekten, 50 Meter, 101 Wohnungen

    Abb.: Grossmann & Berger

    Berlin: Theodor-Loos-Weg, Gropiusstadt, Eike Becker Architekten, 64 Meter, 129 Wohnungen
    Abb.: Architekten

    Berlin: Theodor-Loos-Weg, Gropiusstadt, Eike Becker Architekten, 64 Meter, 129 Wohnungen

    Abb.: Architekten

    Berlin: Rosenfelder Ring, Lichtenberg, Faskel Architekten, 35 Metrer, 113 Wohnungen
    Abb.: Treucon Gruppe

    Berlin: Rosenfelder Ring, Lichtenberg, Faskel Architekten, 35 Metrer, 113 Wohnungen

    Abb.: Treucon Gruppe

    Düsseldorf: NKL20, Seestern, Geitner Architekten, 60 Meter, 230 Wohnungen
    Abb.: rendertaxi

    Düsseldorf: NKL20, Seestern, Geitner Architekten, 60 Meter, 230 Wohnungen

    Abb.: rendertaxi

    Düsseldorf: Upper Nord Tower, Düsseltal, Sauerbruch Hutton, 120 Meter, 425 Wohnungen
    Abb.: Sauerbruch Hutton

    Düsseldorf: Upper Nord Tower, Düsseltal, Sauerbruch Hutton, 120 Meter, 425 Wohnungen

    Abb.: Sauerbruch Hutton

    Stuttgart: Cloud No. 7, Europaviertel, tecArchitecture, 61 Meter
    Abb.: Heiko Ostmann

    Stuttgart: Cloud No. 7, Europaviertel, tecArchitecture, 61 Meter

    Abb.: Heiko Ostmann

    Stuttgart: Skyline Living, Theaterviertel, StructureLab, 75 Meter, 146 Wohnungen
    Abb.: Bülow AG

    Stuttgart: Skyline Living, Theaterviertel, StructureLab, 75 Meter, 146 Wohnungen

    Abb.: Bülow AG

    Stuttgart: Turm am Mailänder Platz, Europaviertel, RKW Architektur +, 60 Meter. Mehr zu den Hochhausplänen der sieben Städte in der Stadtbauwelt 215.
    Abb.: Architekten

    Stuttgart: Turm am Mailänder Platz, Europaviertel, RKW Architektur +, 60 Meter. Mehr zu den Hochhausplänen der sieben Städte in der Stadtbauwelt 215.

    Abb.: Architekten

Wie komponiert man eine Stadt?

Die Hochhauspläne der sieben größten deutschen Städte sind zum Teil noch sehr vage. Nur allmählich wachsen die Neubauten in die Höhe. Wir zeigen die aktuellen Pläne von: Hamburg, München, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Berlin und Stuttgart.

Text: Flagner, Beatrix, Berlin; Schick, Rosa, Berlin


Hamburg
Die Hansestadt Hamburg strebt in den nächsten zehn Jahren den Bau von 70.000 neuen Wohnungen an. Nach den Vorstellungen von Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt soll „die Stadt an neuen Orten wachsen“, mit anderen Worten: an den Stadträndern. Die Geschosszahl sieben wird dabei in den geplanten Neubaugebieten wie dem Pergolenviertel, am Schleusengraben oder in der neuen Gartenstadt Fischbeker Reethen nicht überschritten. So werden sich auch in Zukunft die wenigsten Wohnungen in Hamburg in Hochhäusern befinden. Die Stadt hat bereits 29 Gebäude, die über siebzig Meter hoch sind – die meisten davon sind jedoch Bürohochhäuser. Neuere Wohnhochhäuser sind nur vereinzelt entstanden, zuletzt 2011 in Altona-Altstadt mit dem 72 Meter hohen Kristall Tower von Kees Christiaanse.

In einer Stadt, die nur sechs Meter über dem Meeresspiegel liegt, von Elbe und Alster dominiert und von Fleeten durchzogen wird, hat die Höhenentwicklung eine eigene Bedeutung. Vom Wasser aus gibt es klare Kanten, die das Lesen der Stadtlinie möglich machen. Das Stadtpanorama von Hamburg hat sich seit Jahrhunderten entwickelt und wird seit jeher von Kirchtürmen geprägt. Aus der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen heißt es: „Hamburg hat keine Hochhausentwicklungsplanung und arbeitet auch an keiner.“
Eine Ausnahme bildet die Hafen-City. Mit einer Fläche von 2,2 Quadratkilometern ist sie das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt Europas und in Hamburg vorerst das Einzige, in dem Wohnhochhäuser entstehen – auch wenn derzeit keine Ausschreibungen für Wohnhochhaus-Wettbewerbe laufen. Von Beginn an gab es in der Entwicklung des Gebiets an der Nordelbe die Intention, die wesentlichen Blickbeziehungen über die Alster hinweg bis zur Hamburger Altstadt zu erhalten und „keine neuen Höhenkulissen durch die Hafen-City aufzurufen“, wie Jörn Walter, bis März 2017 amtierender Oberbaudirektor Hamburgs, in einer Publikation der Hafen-City GmbH zitiert wird. Die Neubauten folgen größtenteils den altbewährten Hamburger Höhenlinien und übersteigen nicht die sieben Geschosse. In einer umfangreichen Silhouettenanalyse wurde herausgearbeitet, dass eine sechzig Meter hohe Bebauung von der Altstadt aus gesehen unsichtbar bleibt. Erst Hochpunkte von achtzig Metern beeinflussen das Fernbild der Stadt. Die Elbphilarmonie darf mit einer Höhe von 110 Metern als einziges neueres Gebäude und Wahrzeichen in die historische Silhouette hereinragen.
Blickt man allerdings nicht von der Altstadt aus, sondern vom Wasser auf die Stadt, schiebt sich die Hafen-City-Bebauung vor die historische Höhenlinie. Von dort aus wird das Hamburger Panorama erheblich verändert. Die Neuordnung wurde zum Anlass genommen, der neuen Hafen-City-Silhouette einen eigenen Takt zu geben. Sie entwickelt sich von Westen und beginnt mit dem Hochpunkt Elbphilharmonie, weiter über den Magdeburger Hafen und das sechzig Meter hohe Wohnhochhaus von Bolles und Wilson über das Quartier Elbbrücken, dessen Planung das Schweizer Büro Hosoya Schaefer übernommen hat und das ebenfalls hohe Akzente setzt. Den Abschluss soll der 200 Meter hohe Elbtower bilden. Für das Projekt wird derzeit ein Investor gesucht. Der Standort des Hotel- und Bürokomplex‘ im Osten ist der einzig mögliche, der nicht in die traditionelle Silhouette der Kirchtürme eingreift. Der Prestigebau soll nach seiner Realisierung das höchste Gebäude in Hamburg sein. BF


München
„Wo kann die Stadt noch in welcher Qualität wachsen?“ Unter dieser Fragestellung beschäftigt sich München im Rahmen des Konzepts „Langfristige Siedlungsentwicklung“ mit Strategien für neue Wohnbauflächen. Verdichtung, Umstrukturierung und die Siedlungsentwicklung am Stadtrand sind drei Methoden, die aktuell auch im Hinblick auf das Wohnhochhaus untersucht werden. In München ist das keine Selbstverständlichkeit. Obwohl die Stadt über zweihundert Gebäude mit 40 bis 60 Metern Höhe und immerhin über fünfzehn Gebäude mit über siebzig Metern aufweist, versteht sie sich nicht als Hochhausstadt. „Hochhäuser in den Dimensionen mehrerer hundert Meter waren und sind nicht Teil der Planungsstrategie“, so die Position des Referats für Stadtplanung und Bauordnung. Dennoch beschäftigt man sich in München seit dem frühen 20. Jahrhundert mit der Hochhausplanung. Bereits 1921 planten die Architekten Otho Orlando Kurz und Herman Sörgel einen Hochhausring, gebaut wurde nur das Technische Rathaus. Eine Untersuchung von Hochhausstandorten fand 1977 erstmals durch Detlef Schreiber statt, 1995 wurde diese von Ferdinand Stracke um eine Hochhausstudie erweitert. Zusammen bilden sie die „Münchner Linie“ und sind bis heute Grundlage aller Stadtratsbeschlüsse. Ein Bürgerentscheid 2004 legte die Begrenzung von künftigen Gebäuden außerhalb des Mittleren Rings auf hundert Meter fest – die Höhe der Frauenkirche. Maßgebend ist neben den Kirchtürmen „die Sichtverbindung aus der Innenstadt nach Süden Richtung Alpen“. Jedes neue Hochhaus-Projekt wird auf seine Stadtbildverträglichkeit untersucht. Die Altstadt, die alten Dorfkerne sowie einige Freiräume bleiben Schutzräume. Insgesamt spielt in München weniger die Silhouette eine Rolle als vielmehr Sichtbeziehungen: Der Blick auf Wahrzeichen wie den Rathausturm, den Alten Peter und die Frauenkirche dürfen nicht verstellt werden. Daraus zieht das Referat für Stadtplanung und Bauordnung den Schluss, dass sich Hochhaus-Standortpotenziale am Süd- und Mittleren Ring, an der Bahnachse und am Korridor Ostbahnhof sowie um den Arabellapark und am Olympiapark ergeben. Letzterer sollte 2011 um Hochhäuser erweitert werden (Bauwelt 4.2011). Die Planung scheiterte am ausbleibenden Zuschlag der Olympischen Winterspiele 2018 für München.
Dass das Hochhaus im bürgerlich geprägten München inzwischen als Chance gesehen wird, die Stadt positiv zu formen, zeigt die Akzeptanz der jüngst entstandenen Wohnhochhaus-Projekte: das 2011 realisierte Hofhaus am Arnulfpark von Frank und Probst, Ekert+Probst Architektinnen und Kahlfeldt Architekten, die zwei Wohnhochhäuser von Allmann Sattler Wappner am Hirschgarten oder die Umstrukturierung des ehemaligen Siemensstandorts im Süden der Stadt. Stadtweit sind weitere geplant. BF


Frankfurt am Main
Die Hochhaussilhouette der Stadt Frankfurt am Main besteht aus fünfhundert Hochhäusern, davon sind über dreißig höher als hundert Meter. Im nächsten Jahr wird das Stadtplanungsamt den „Hochhausentwicklungsplan 2018“ vorstellen und damit nach zehn Jahren auf aktuelle Entwicklungen eingehen können. Das Potenzial des Wohnhochhauses wird in diesem Plan eine besondere Rolle einnehmen. Eine Bürgerbefragung des Stadtrats ergab im Juli 2017, dass die hohen Mieten und das geringe Wohnungsangebot die zentralen Probleme der Stadt sind. Der zukünftige Hochhaus­entwicklungsplan ist eine Fortschreibung des Hochhausentwicklungsplans von 2007 aus der Feder des lokalen Architekturbüros Jourdan & Müller, die bereits das räumliche Konzept des Rahmenplans von 2000 verfasst haben.
Die Hochhausplanung in Frankfurt am Main greift jedoch noch weiter zurück und beginnt bereits nach dem zweiten Weltkrieg. 1953 wurde der erste Hochhausrahmenplan erarbeitet. Städtebaulich und planungspolitisch sollten Hochpunkte in die Frankfurter Stadtsilhouette eingebunden werden. Sie wurden wie Stadttore verstanden und auf den historischen Wallanlagen angeordnet. Im „Fingerplan“ von 1967 sollten die Wallanlagen um eine verdichtete Bebauung in Form von gespreizten Fingern erweitert werden. 1983 nahm Albert Speer im Cityleitplan die Hochhausachsen des Fingerplans auf und ergänzte diese um neue Entwicklungsgebiete nach Osten. Damit setzte er einen Schwerpunkt auf die Entwicklung einer heterogenen Stadt, in der die Funktionen möglichst wenig getrennt sein sollten. Die unterschiedlichen städtebaulichen Leitbilder lassen sich noch heute ablesen.
Das heutige Stadtbild mit dem Hochhauscluster ist jedoch stark vom Rahmenplan von 2000 geprägt, der die Entwicklung Frankfurts zum Finanz- und Dienstleistungszentrum und den Bedarf an Büroflächen in den Vordergrund stellte. Das historische Bankenviertel wurde im Umfeld der Frankfurter Messe und des Frankfurter Bahnhofs um festgelegte „Verdichtungsräume“ erweitert. Insgesamt entstanden fast eine Millionen Quadratmeter Hochhausflächen. Die punktuelle Konzentration von Hochhäusern führt zu der heutigen einprägsamen Stadtsilhouette und verdeutlicht, dass erst eine Gruppierung von Hochhäusern eine stadträumliche Tragweite hat. Aufgrund des erheblichen baulichen und sozialen Einflusses von Hochhäusern finden dort für Gebäude ab sechzig Metern Höhe Realisierungswettbewerbe statt. Neben seinen Hochhäusern hat Frankfurt durchaus verschiedene Identitäten: die an das Hochhauscluster angrenzenden Wohnquartiere mit einer Höhe von vier bis fünf Geschossen, die wieder neu aufgebaute Altstadt und die Grünflächen des sich bis an die Stadtgrenze ziehenden Taunus.
Auch im Bankenviertel wurden bereits im Hochhausentwicklungsplan von 2000 Wohnflächen in Hochhäusern vorgesehen. Diese Entwicklung wird nun weiter vorangetrieben. Auf dem ehemaligen Deutsche-Bank-Areal bauen UN Studio vier Hochhäuser zwischen hundert und zweihundert Meter Höhe, in zweien werden 600 Wohnungen entstehen (Bauwelt 7.2017). Der Omniturm von Bjarke Ingels Group wird zur Zeit in der Großen Gallusstraße realisiert. Rund 8000 Quadratmeter werden für Wohnungen bereit­gestellt. Das gesamte Hochhauscluster wird in Zukunft weiter nach Westen in Richtung des Stadtteils Gallus wachsen, wo seit 2005 auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs das Europaviertel realisiert wird. Es ist eine der größten Quartiersentwicklungen in Deutschland. Neben fünf- bis acht geschossigen Bauten werden hier auch Wohnhochhäuser gebaut. Am Anfang der Europa-Allee bildet der sechzig Meter hohe Wohnturm Axis von Meixner Schlüter Wendt (Bauwelt 10.2017) den Eingang zum neunzig Hektar großen Europaviertel.
Im ganzen Stadtgebiet befinden sich gerade rund 19 weitere Wohnhochhäuser in Planung oder im Bau. Deutschlandweit ist Frankfurt damit vorerst die einzige Großstadt, die mit ihrer aktuellen Hochhausplanung auf gemischt genutzte Hochhauscluster abzielt. BF


Köln
Er ist Identifikationspunkt für Bewohner und Touristen: der Kölner Dom, mit einer Höhe von 157 Metern die dritthöchste Kirche der Welt. Der Dom gibt nicht nur die Höhe der linksrheinischen Innenstadt vor, sondern beeinflusst auch alle übrigen Bauvorhaben in der Stadt. 2004 entbrannte aufgrund vier geplanter 100-Meter-Hochhäuser am Deutzer ICE-Bahnhof ein Streit um den Weltkulturerbe-Status des Doms. Dieser wurde bewahrt und damit bleibt der Dom, von einer Vielzahl von romanischen Kirchtürmen gesäumt, das prägendste Element in der Stadtsilhouette. In diesem Kontext stellte die Stadt Köln 2003 in einer ausführlichen Sichtfeldanalyse fest, dass der Dom eine Fernwirkung von acht Kilometern hat – bei günstiger Wetterlage und entsprechenden Sichtverhältnissen. Neben Dom und Rathausturm gilt der gesamte historische Stadtkern als schützenswert, außerdem Quartiere mit einer einheitlichen Höhe von vier bis fünf Geschossen sowie Grünflächen und Durchlüftungsschneisen.
Dennoch ist Köln die Stadt in Deutschland mit der längsten Hochhausgeschichte. 1924 wurde mit 65 Metern das seinerzeit höchste Bürogebäude Europas errichtet, 1976 das höchste Wohnhochhaus Deutschlands. Kölns ehemaliger Baudezernent Franz-Josef Höing (seit diesem Monat Oberbaudirektor Hamburgs) erklärt, warum es derzeit kein Hochhauskonzept gibt: „Köln ist keine Stadt, die das zur Priorität machen sollte. Es gibt aber Standorte, die zentral und doch in respektvollen Abstand zur Innenstadt liegen. Die geplanten Hochhäuser akzentuieren Kölns Wachstum.“ Damit sind die rechtsrheinischen Stadtentwicklungsprojekte „Mülheimer Süden“ und „Deutzer Hafen“ gemeint. Sie werden derzeit voran und in die Höhe getrieben. Im Deutzer Hafen sind einige Hochpunkte vorgesehen. Kubaturen und Höhe werden von der Silhouette der alten Mühlen beeinflusst. Höing weiter: „Unmittelbar am Rhein, mit dem Becken und den Pollerwiesen hat man eine ungewöhnliche Dimension von Stadtraum. Die Planung verträgt hier einen Maßstab, der für Köln nicht üblich ist.“ BF


Berlin
Wir sind zu früh dran. Für die Stadt Berlin liegt der lange angekündigte Hochhausplan immer noch nicht vor – zumindest nicht in vorzeigbarer Form. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen schreibt derzeit die Erarbeitung eines Hochhausentwicklungsplans EU-weit aus. Die Vergabe soll im Herbst erfolgen. Durch diesen Plan soll der ungesteuerte „Wildwuchs“ von Hochhäusern verhindert werden. Derzeit arbeitet die Stadtentwicklung mit einem skizzenhaften Hochhausplan vom Frühjahr dieses Jahres. Dieser sieht Verdichtungen an fünf Standorten in Berlin vor, die entweder bereits Hochhausstandorte sind oder als neue Quartiere geplant wurden: am Breitscheidplatz (Ausdehnung Richtung Norden), am Potsdamer Platz (Ausdehnung Richtung Süden), am Alexanderplatz (mehr dazu: Höhenrausch mit Spätfolgen, ab S. 68), in der Europacity (nördlich des Hauptbahnhofs) und auf dem Areal zwischen Ostbahnhof und S-Bahnhof Warschauer Straße. Alle Hochhäuser, die bereits ab­gestimmt wurden, sowie Gebäude des Planwerks „Innere Stadt“ sind in einem 3D-Stadtmodell (Ausschnitt unten) veranschaulicht, das auf der Webseite der Senatsverwaltung heruntergeladen werden kann.
Die Standortvergabe für Hochhäuser erfolgte bisher also nicht nach einem gesamtstädtischen Plan, sondern anhand einzelner städtebauli­-cher Wettbewerbe. Wie in anderen deutschen Großstädten werden auch in Berlin Wohnhochhäuser vor allem im Luxussegment gebaut. Die Stadt steht aber unter wachsendem Druck, dem Bedarf nach 194.000 neuen Wohnungen bis 2030 nachzukommen. Dieser Aufgabe stellen sich nun auch einige Berliner Wohnungsbaugesellschaften, indem sie bezahlbare Wohnungen in Wohnhochhäusern schaffen, wie zum Beispiel in der Gropiusstadt, die zwischen 1962 und 1975 als Großwohnsiedlung errichtet wurde, in Lichtenberg oder auf der Fischerinsel in Berlin-Mitte. Bezahlbarer Wohnraum in Hochhäusern entsteht also vor allem in Großwohnsiedlungen und im Ostteil der Stadt. RS


Düsseldorf
Das ARAG-Hochhaus von Foster & Partners und RKW Architekten ist mit 125 Metern Düsseldorfs höchstes Gebäude, gefolgt von dem nur zwei Meter niedrigeren Hochhaus der Landesversicherungsanstalt (LVA) von Harald Deilmann. Weitere fünfzehn Hochhäuser zwischen 45 und 140 Metern Höhe sind in Planung oder befinden sich bereits im Bau - eine Auswahl zeigt der Planausschnitt rechts. Sie verteilen sich in der Innenstadt und sind als Solitäre entwickelt. Es gibt keine zentrale Ansammlung von Hochhäusern, wohl aber gewisse Schwerpunktbildungen, wie im Bereich des Hafens, in Mörsenbroich und am Kennedydamm. Das Stadtplanungsamt Düsseldorf hat im Jahr 2004 einen Rahmenplan zur Hochhausentwick­-lung erstellt, der das Stadtgebiet in vier Zonen unterteilt. Diese orientieren sich am Düsseldorfer Hochhauskonzept aus dem Jahr 1994, werden jedoch strukturell differenzierter beschrieben.

In Zone 1, die einen großzügigen Radius um den historischen Stadtkern, den Stadtteil Oberkassel und die „Einflusssphäre Rheinufer“ zieht, sind keine Hochhäuser zugelassen: „Die historischen Ortskerne sind von jeglicher Hochhausentwicklung freizuhalten.“ Gebäudehöhen sind dort an der vorhandenen Traufhöhe der Altstadt zu orientieren, die in Düsseldorf bei 22 Meter liegt. Zone 1 sieht laut Rahmenplan 2004 eine „Hochhausentwicklung mit Bauhöhen ab 90 Metern nur mit deutlichem Abstand von der Rheinfront“ vor, wobei im südlichen Teil der Carlstadt und am Übergang zur City Hochhäuser nach Untersuchungen gemäß eines Prüfkatalogs gegebenenfalls möglich sind. Diese Übergangsbereiche bilden die Zone 2, in der Hochhausentwicklung nur mit eingeschränkten Bauhöhen unternommen werden soll. Dazu zählen auch die City, das Regierungsviertel und der Hafen. Zwei weitere Zonen werden für die städtebauliche Verdichtung durch Hochhäuser als besonders geeignet eingestuft: die Umgebung von ÖPNV-Schwerpunkten, die sich aufgrund ihrer guten Erreichbarkeit für Arbeitsplätze eignen, vor allem im Bereich des Hauptbahnhofs und des S-Bahnhofs Wehrhahn (Zone 3) und Büroarbeitsplatzschwerpunkte (Zone 4). In Zone 4 sind bereits Hochhausprojekte entstanden, künftige werden gemäß des Prüfkatalogs einer Standortuntersuchung unterzogen. Generell empfiehlt der Rahmenplan für jedes Hochhausprojekt eine städtebauliche Verträglichkeitsprüfung, bevor ein B-Plan-Verfahren eingeleitet wird. Im Bereich des Flughafens etwa gibt es Höhenbegrenzungen, die sich auf die geneigten Flächen der Anflugschneisen von Start- und Landebahnen beziehen und, je nach Verortung, zwischen 36 und 136 Metern Bauhöhe liegen dürfen. Insgesamt ist die Sprache des Düsseldorfer Rahmenplans zur Hochhausentwicklung im Konjunktiv gehalten und lässt einen gewissen Deutungsspiel­raum zu. RS


Stuttgart
Aufgrund der topografischen Lage Stuttgarts im Talkessel sieht die Stadt nur vereinzelt Bereiche vor, an denen Untersuchungen zur Hochhausentwicklung überhaupt denkbar wären – der Rest des Stadtgebiets bleibt Schutzzone (Zone 1). Bei der Ausweisung der Schutzzone spielte die Freihaltung von Frischluftschneisen gemäß des Stuttgarter Klimaatlas eine wesentliche Rolle. Die gesamte Schutzzone stellt eine Tabufläche für Neuprofilierungen dar: Dort dürfen keine Hochhäuser gebaut werden, wobei sich das Stadtplanungsamt offenhält, auch dort in Ausnahmefällen „geringfügig höhere Gebäude in städtebaulich besonders begründeten Fällen“ zuzulassen.
Bereits 1993 hat das Stadtplanungsamt Stuttgart auf der Grundlage eines Hochhaus-Gutachtens von Ferdinand Stracke das Standortkonzept „Hochhäuser in Stuttgart“ erarbeitet. Dieses liegt dem aktuellen Flächennutzungsplan 2010 (Karte rechts) für die Bauhöhenentwicklung zu Grunde. Innerhalb der genannten Schutzzone liegen neun sogenannte „Untersuchungsbereiche“ (Zone 2), in denen neue Hochhausprojekte möglich sind, gestaffelt in drei Gebäudehöhen: bis 40 Meter als Quartierszeichen, bis 60 Meter als einzelne, schlanke, stadtbildprägende Projekte und bis 85 Meter nur in den Gebieten „City Prag“ und „Universität Vaihingen“. Insgesamt wird vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung eine 50-Meter-Marke, der sogenannte „Stuttgarter Maßstab“, als Richtlinie für die Höhe von Hochhäusern angesetzt. Eine Neuprofilierung der Stadtsilhouette in den Untersuchungsbereichen soll sich an dieser Höhe orientieren.
Aktuell sind in der Stadt drei Wohnhochhäuser in Planung oder zum Teil realisiert. Geförderte Wohnungen sind in den Wohntürmen allerdings nicht vorgesehen: Die neuen Wohnhochhäuser sind als Luxusgut wenigen Wohlhabenden vorbehalten. Neben Hotelzimmern entstehen dort Eigentumswohnungen mit Hotelservice, teure Mietwohnungen und Boarding-Houses. RS

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