Bauwelt

Wo die Wildnis wohnt

Stadt und Natur werden eins. Der Wettbewerb für den neuen, großmaßstäblichen Park am Kopenhagener Nordhavn steht für ein urbanes, klimastrategisches Post-Naturverständnis, das die Landschaft des Anthropozäns wuchern lässt – und sie sich zugleich aneignet.

Text: Bruun Yde, Marie, Berlin

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    Ein 1. Preis Team SLA hat sich das brachliegende Gelände und seine ungeplante Vegetation angeschaut. Sie entwerfen eine küstennahe Natur mit dem, was schon da ist. Dies wird nach dem Prinzip „so wenig wie möglich, so viel wie notwendig“ ergänzt. Wichtig ist dem Büro der gleichberechtigte Zugang aller Lebewesen: Pflanzen, Menschen und Tiere.
    Abb.: Verfasser

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    Ein 1. Preis Team SLA hat sich das brachliegende Gelände und seine ungeplante Vegetation angeschaut. Sie entwerfen eine küstennahe Natur mit dem, was schon da ist. Dies wird nach dem Prinzip „so wenig wie möglich, so viel wie notwendig“ ergänzt. Wichtig ist dem Büro der gleichberechtigte Zugang aller Lebewesen: Pflanzen, Menschen und Tiere.

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    Highlights des Entwurfs sind ein 24 Meter hoher Aussichtspunkt, ein Lagunenstrand mit kleinen Inseln und ein ein Kilometer langer Waldrand.
    Abb.: Verfasser

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    Highlights des Entwurfs sind ein 24 Meter hoher Aussichtspunkt, ein Lagunenstrand mit kleinen Inseln und ein ein Kilometer langer Waldrand.

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    Teilnehmer Team Henning Larsens Vorschlag ist von einem künstlich angelegten Felsen dominiert, der das Rückgrat des gesamten Parks bildet. Der Felsen, den man als Element in klassischen dänischen Küstenlandschaften kennt, teilt den Park in ein Oben und ein Unten und schwächt die vorhandene poetische Kraft.
    Abb.: Verfasser

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    Teilnehmer Team Henning Larsens Vorschlag ist von einem künstlich angelegten Felsen dominiert, der das Rückgrat des gesamten Parks bildet. Der Felsen, den man als Element in klassischen dänischen Küstenlandschaften kennt, teilt den Park in ein Oben und ein Unten und schwächt die vorhandene poetische Kraft.

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    Die Uferkante ist nicht durchgängig für den Aufenthalt gestaltet, sondern begrenzt sich auf wenige Destinationen wie etwa ein Hafenbad.
    Abb.: Verfasser

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    Die Uferkante ist nicht durchgängig für den Aufenthalt gestaltet, sondern begrenzt sich auf wenige Destinationen wie etwa ein Hafenbad.

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    Teilnehmer Team BIGs Vorschlag umfasst abenteuerliche Erlebnisse und große Strukturen, hergeleitet aus natürlichen Formen wie Seerosen. Der Freizeitparkansatz mit Skulpturen als formale Analogien wirkt für diesen Ort etwas aus der Zeit gefallen und schöpft nicht das Potenzial des Wassers oder der Landschaft aus.
    Abb.: Verfasser

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    Teilnehmer Team BIGs Vorschlag umfasst abenteuerliche Erlebnisse und große Strukturen, hergeleitet aus natürlichen Formen wie Seerosen. Der Freizeitparkansatz mit Skulpturen als formale Analogien wirkt für diesen Ort etwas aus der Zeit gefallen und schöpft nicht das Potenzial des Wassers oder der Landschaft aus.

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    Das Ufer ist als Promenade steinern gestaltet, die Zugänge zum Wasser sind begrenzt. Der Fokus liegt auf den Garten und einen Entdeckungspfad mitten im Park.
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    Teilnehmer Der Entwurf von Team LYTT beinhaltet zwei Einschnitte in die Steinsetzung für einen „wilden“ und einen „ruhigen“ Bereich. Der erste bildet einen Naturstrand, der zweite eine Vogelinsel als isoliertes Schutzgebiet ohne Zugang für Menschen. Das dahinterliegende Gelände wird zu einer naturnahen Küstenlandschaft modelliert. Die Jury befürchtet, dass der Vorschlag durch das eingeschränkte Areal und die Trennung von Funktionen dem Nutzungsdruck nicht gerecht werde.
    Abb.: Verfasser

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    Teilnehmer Der Entwurf von Team LYTT beinhaltet zwei Einschnitte in die Steinsetzung für einen „wilden“ und einen „ruhigen“ Bereich. Der erste bildet einen Naturstrand, der zweite eine Vogelinsel als isoliertes Schutzgebiet ohne Zugang für Menschen. Das dahinterliegende Gelände wird zu einer naturnahen Küstenlandschaft modelliert. Die Jury befürchtet, dass der Vorschlag durch das eingeschränkte Areal und die Trennung von Funktionen dem Nutzungsdruck nicht gerecht werde.

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    Das Ambiente der Renderings gleicht dem einer traditionellen dänischen Küstenlandschaft. Durch das starke Überformen wird die Künstlichkeit deutlich.
    Abb.: Verfasser

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    Das Ambiente der Renderings gleicht dem einer traditionellen dänischen Küstenlandschaft. Durch das starke Überformen wird die Künstlichkeit deutlich.

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Wo die Wildnis wohnt

Stadt und Natur werden eins. Der Wettbewerb für den neuen, großmaßstäblichen Park am Kopenhagener Nordhavn steht für ein urbanes, klimastrategisches Post-Naturverständnis, das die Landschaft des Anthropozäns wuchern lässt – und sie sich zugleich aneignet.

Text: Bruun Yde, Marie, Berlin

Während in Hamburg der Hafen bleibt, ist er in Kopenhagen Geschichte. Die alten Hafenflächen in der dänischen Hauptstadt sind fast vollständig in Wohn- und Büroquartiere verwandelt, die Stadt lebt anders als früher. Teil der dramatischen morphologischen Entwicklung ist zusätzlich die Aufschüttung von Erde für die Erweiterung des ehemaligen Hafengebiets, der äußere Nordhavn wurde durch Landgewinnung geschaffen. Das Wasser wird als blauer Stadtraum zum Baden und Segeln betrachtet, in Sluseholmen in Sydhavnen haben die Bewohner Leitern, über die sie direkt ins Wasser kommen. Bei der Nachverdichtung fehlt der wachsenden Bevölkerung jedoch auch Grünraum. Im Innenhafen wurde kürzlich der von Cobe entworfene Opernpark angelegt, jetzt bekommt auch der Nordhavn einen Park.
Ende 2024 schrieben die Stadt Kopenhagen und die öffentliche Entwicklungsgesellschaft By & Havn einen Wettbewerb für den Parkentwurf aus. Das Areal an der nordöstlichen Spitze des Nordhavns besteht aus überschüssigem Aushub aus Bauprojekten der Region. Noch liegt es drei Kilometer von der Metro-Endstation Orientkaj und weit von der Stadt entfernt. Erst 2070, wenn der Nordhavn vollständig entwickelt ist, wird die Stadt mit zwei neuen Metrostationen an den Park angebunden sein. Dass er dennoch schon jetzt geplant wird, macht ihn von Beginn an zu mehr als einem lokalen Quartierspark, eher zu einer Destination für die ganze Stadt. Mit 30 Hektar Größe geht es bei dem Park nicht nur um das wichtigste städtische Landschaftsprojekt seit langem, sondern auch um einen Auftrag, den ein Landschaftsarchitekturbüro vielleicht nur einmal im Leben bekommt.
Fünf Teams wurden präqualifiziert für den Wettbewerb, jedoch wurden BOGL, deren Vorschlag vom Preisgericht als der beste erachtet wurde, später disqualifiziert, da sie einen nicht regelkonformen Strandpark anlegen wollten. Den Zuschlag erhielten stattdessen SLA als Zweitplatzierte. Weitere Preise wurden nicht vergeben. Die Ausschreibung wurde von einem Advisory Board aus Expertinnen begleitet. Nur zwei Fachpreisrichter waren in der Jury – eine Landschaftsarchitektin und ein Stadtplaner (wasaber in Dänemark üblich ist). Alle fünf Sachpreisrichter waren Vertreterinnen der Verwaltung, keine Politiker.
Deepfake oder neue Natur?
Das Interessante am Wettbewerb ist vor allem das geänderte Natur-, aber auch Stadtverständnis. Die Auftraggeberinnen wollen eine neue Ära der Parks einleiten, die – anders als die klassischen Gartenanlagen oder die jüngeren Designparks der Stadt – naturbelassen und landschaftsbezogen gestaltet sind. Lebensraum für die Wechselkröte ist ebenso Teil des Programms wie eine 500-Meter-Meeresschwimmbahn. In der Auslobung wird das Wort Natur zweihundert Mal genannt: wild, artengerecht, biodivers. Der Park soll also nicht durchprogrammiert oder -gestylt sein, nicht wie ein gegärtnerter Golfplatz aussehen, sondern ökologisch und erlebnisorientiert.
Team SLA schlagen einen Küstenpark vor, der Menschen und Ökosystem in einer „klima- und naturpositiven urbanen Gestaltung“ zusammenbringt. Der Park überlagert Strände, Aktivitätsflächen, Gemeinschaftsbereiche, Sport- und Spielplätze mit einem Gefüge aus selbstwachsender Natur. Die Architekten geben den Naturprozessen, die breits stattfinden, Platz und Zeit, und verfeinern diese mit Lagunen, Wiesen, Grasflächen, Waldrändern und Meeresriffen. Die Wegeführung ist organisch und die Uferkante weich und differenziert. So trifft das Team mit Abstand am besten den in der Ausschreibung vorgegeben Ton.
Worin besteht aber diese vermeintliche Naturnähe in der menschgemachten, postindustriellen Stadt? Ist eine Tabula-rasa-generierte, künstliche heide- und dünenähnliche Landschaft nicht einfach ein räumliches Deepfake? Nachgebildet auf jeden Fall, aber solange sie keine ursprüngliche Authentizität vorgaukelt, sondern Spuren ihrer Genese sichtbar lässt, ist sie eher ein Park neuen Typs in der Stadt. Kopenhagen verabschiedet sich von der Dominanz des Menschen über die Natur und eröffnet Möglichkeiten für ein neues Zusammenleben, indem die Landschaft nicht überkontrolliert wird und ihre ästhetischen Qualitäten zum Erlebnis werden.

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