Von Kindesbeinen bis auf die eigenen Füße
Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Landes, Josepha, Berlin
Von Kindesbeinen bis auf die eigenen Füße
Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Landes, Josepha, Berlin
Berufstätige Eltern wissen, was es heißt, wenn der Kindergarten bestreikt wird: Ohne Tagesmütter und die in der frühkindlichen Erziehung tätigen Pädagogen wäre der Alltag für viele auf Dauer kaum zu meistern. Derzeit fechten die Gewerkschaft verdi und die Städte und Kommunen die dritte Tarifrunde aus, in Berlin waren Mitte Februar die Kindergärten schon zum fünften Mal verschlossen. „Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“ – doch derart eng geknüpfte soziale Netzwerke, die einem Paar helfen könnten, Nachwuchs und Arbeitsleben zu bewältigen, gibt es zumindest in den Großstädten heute kaum noch.
„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“, meint aber noch mehr: Es braucht eine Umgebung fürs Aufwachsen, die den jungen Menschen vielfältige Anregungen bietet und Möglichkeiten, sich selbst und ihre Fähigkeiten zu erproben. Und hier kommt die Architektur ins Spiel: Wo Kinder den Tag verbringen, braucht es Räume unterschiedlicher Größe, die gemeinsames Spiel ebenso wie Rückzug und Konzen-tration erlauben. Eine gewisse Durchlässigkeit, da-mit die einen sehen können, was die anderen machen. Robuste Materialien, die etwas aushalten. Außenräu-me zum Rennen und Toben. Und Übergangszonen, die das Draußensein auch bei Schlechtwetter ermöglichen. Die Gesellschaft sollte an diesen Orten nicht sparen: Neubauten wie die in dieser Ausgabe versammelten in Illzach und Altach, in Sforzacosta und Dettmannsdorf sind wie alle Bildungseinrichtungen Investitionen in die Zukunft. Wach auf, Bielefeld!
Ein Zimmer für mich alleine
Natürlich kann man sich mit Freunden eine Wohnung suchen. Wenn man eine findet. Nach der Schule steht jungen Menschen die Welt offen – manchen. Sie können wählen, wohin des Wegs – manche. Und endlich, die Füße aus Vadderns Pantoffeln, selbst entscheiden, wie sie leben wollen. Bei einigen ist die Kühlschrankbestückung schnell auf Discounter-Großpackungen festgelegt – bei vielen. Andere begleitet die Wärme des heimatlichen Nests noch bis weit nach dem Staatsexamen.
Damit auch Erstere sorgenfrei lernen können, was ihnen einst den Lebensunterhalt sichern soll – damit sie nicht ganz so ungleich starten wie die anderen –, boten frühe Universitäten angegliederte Unterkünfte. Heute jedoch sind Studierendenwohnheime häufig privatisiert und ein Markt für sich. In London, Cergy bei Paris und Amsterdam fanden wir drei Beispiele, die sich zwar auf diesen Markt beziehen, ihren jungen Bewohnern aber dennoch Räume bieten, in die sie sich zurückziehen können. Denn Entfaltung setzt einen Kokon voraus.






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