Alte Akademie in München

Der internationale Wettbewerb zur Umgestaltung der Alten Akademie in München zeigt, dass Denkmalschutz und Investoren­interessen vereinbar sind

Text: Stock, Wolfgang Jean, München

    Die Alte Akademie liegt rund 200 Meter von der Frauenkirche entfernt im Nordwesten der Altstadt
    Abb.: Signa

    Die Alte Akademie liegt rund 200 Meter von der Frauenkirche entfernt im Nordwesten der Altstadt

    Abb.: Signa

    1. Preis Mit minimalen Eingriffen, so die Jury, heben Morger Partner Architekten den Geist der Historie der Gebäude hervor. Kaufhaus Südwest­ecke
    Abb.: Architekten

    1. Preis Mit minimalen Eingriffen, so die Jury, heben Morger Partner Architekten den Geist der Historie der Gebäude hervor. Kaufhaus Südwest­ecke

    Abb.: Architekten

    Kopfbau der Akademie
    Abb.: Architekten

    Kopfbau der Akademie

    Abb.: Architekten

    Schmuck hof Nordostecke
    Abb.: Architekten

    Schmuck hof Nordostecke

    Abb.: Architekten

    2. Preis Die Neuinterpre­ta­tion der Kaufhausfassade, wie sie Christ und Gantenbein vorschlagen, sei, so die Jury, mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar
    Abb.: Architekten

    2. Preis Die Neuinterpre­ta­tion der Kaufhausfassade, wie sie Christ und Gantenbein vorschlagen, sei, so die Jury, mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    3. PreisEine „hervorra­gende Rücksicht auf denkmalpflegerische Belange“ bescheinigte die Jury dem Vorschlag von Caruso St John. Sie vermisste jedoch eine zukunftsorientierte Vision.
    Abb.: Architekten

    3. PreisEine „hervorra­gende Rücksicht auf denkmalpflegerische Belange“ bescheinigte die Jury dem Vorschlag von Caruso St John. Sie vermisste jedoch eine zukunftsorientierte Vision.

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

Alte Akademie in München

Der internationale Wettbewerb zur Umgestaltung der Alten Akademie in München zeigt, dass Denkmalschutz und Investoren­interessen vereinbar sind

Text: Stock, Wolfgang Jean, München

München und seine Architektur der Nachkriegsmoderne, das ist ein Kapitel voller Widersprüche. Während bereits mehrere markante Zeugnisse geopfert wurden und die Zukunft der Architekturschule weiterhin ungewiss ist (Bauwelt 3.2016), gab es auch positive Taten. Bemerkenswert ist, dass es in diesen Fällen nicht um Bauten der A-Klasse ging. Ein Beispiel ist das „Haus der baye­rischen Landkreise“ im Münchner Regierungsviertel, das Michael Gebhard vom Büro Morphologic nicht nur technisch erneuert und energetisch ertüchtigt, sondern auch gestalterisch verfeinert hat. Ebenfalls den Charakter der 1950er Jahre bewahren konnte Josef Meier-Scupin bei der Sanierung der „Münchner Bank“ in der Altstadt: Gegenüber der Frauenkirche strahlt die elegante Fassade noch immer den Geist der Wiederaufbauzeit aus.
Nur zwei Ecken weiter steht das große Ensemble der Alten Akademie, über dessen neue Verwendung nun in einem Wettbewerb entschieden wurde. Diese Konkurrenz wurde mit besonderem Interesse verfolgt, weil es sich bei dem Areal um ein prägendes Herzstück der Münchner Altstadt handelt. Der Kern der palastartigen Anlage entstand im späten 16. Jahrhundert als Jesuitenkolleg, zusammen mit der benachbarten Kirche St. Michael (deren Bau beinahe einen Staatsbankrott verursacht hätte). Inmitten der kleinteiligen Altstadt war die Renaissance-Anlage mit Innenhöfen damals das größte einheitliche Bauwerk in München. Im 19. Jahrhundert durch einen Westflügel ergänzt, wurde die Alte Akademie im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Den rekonstruierenden Wiederaufbau leitete Josef Wiedemann, der jedoch anstelle des Westflügels von 1953 bis 1955 einen kubischen Neubau mit zeittypischer Fassadenbemalung für das Tex­tilkaufhaus Hettlage errichtete.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 wurde das Ensemble in wechselnder Folge von staatlichen Einrichtungen genutzt, etwa als Hofbibliothek und Archiv, aber auch als Maler- und Bildhauerschule – daher der Name Alte Akademie. Zuletzt war dort das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung angesiedelt. Nach dem Abzug des Landesamtes und der Aufgabe des Kaufhauses wurde das Areal für neue Nutzungen frei. Es ehrt den Freistaat Bayern, dass er den südlichen Teil der Immobilie an der Neuhauser Straße nicht verkaufte, sondern Ende 2013 in Erbbaurecht für 65 Jahre an die österreichische Immobiliengruppe Signa vergab. Die Stadt München wiederum bestand darauf, dass sämtliche Bestandsgebäude unter Denkmalschutz bleiben, darunter das frühere Kaufhaus mit seinen Arkaden. Die städtische Politik war auch deshalb sensibilisiert, weil der Investor Renè Benko, Inhaber von Signa, in Europa ja nicht unumstritten ist.
Mit dem Ziel, im Gebäudekomplex eine Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Wohnungen unterzubringen, lobte der Bauherr Signa einen internationalen Realisierungswettbewerb mit zuletzt elf geladenen Teilnehmern aus. Vor wenigen Wochen hat das Preisgericht unter Leitung von David Chipperfield über die eingereichten Entwürfe geurteilt. Wie die Wettbewerbsausstellung mit Plänen und Modellen zeigte, hat die Jury richtig entschieden, sowohl bei der Auswahl als auch bei der Reihung der Preisträger. Bereits im zweiten Rundgang wurden sieben Teilnehmer ausgeschieden, ein weiteres Büro (Ortner & Ortner Baukunst, Berlin) erhielt eine Anerkennung.
Die fünf wesentlichen Kriterien bei der Preisvergabe waren: Rücksicht auf die geschützten Fassaden, Erhalt der Arkaden, funktionale Grundrisse in den kommerziellen Bereichen, Erschließung des bislang unzugänglichen Schmuckhofes, Organisation von Wohnungen am Hof in Vereinbarkeit mit dort vorgesehener Gastronomie. So war es nur konsequent, dass der 1. Preis fast einstimmig an Morger Partner Architekten aus Basel ging, an jenes Büro, das den Bestand sehr behutsam weiterentwickelt. Im Urteil der Jury: „Die Verfasser verstehen sich nicht als Autoren, sondern als Interpreten des Gebäudeensembles – und es gelingt ihnen. Minimale Eingriffe oder Adaptionen reichen aus, um den Geist der unterschiedlichen Historie der Gebäude hervorzuheben.“ So werden etwa die Wohnungen am Hof mit Loggien ausgebildet, wobei Arkaden über der Gastronomie nicht nur Schatten spenden, sondern auch vor Lärm schützen.
Der 2. Preis wurde an Christ & Gantenbein Architekten, ebenfalls aus Basel, vor allem mit dem Vorbehalt vergeben, dass die Neuinterpretation der Kaufhaus-Fassade mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar sei. Dem Betrachter erscheinen die eingestanzten Öffnungen (analog zu den Fensterachsen im benachbarten Renaissance-Giebel) als formalistisch, ja fast brutal.
Den 3. Preis erhielten Caruso St John Architects aus London für einen Entwurf, dem die Jury einerseits eine hervorragende Rücksicht auf die denkmalpflegerischen Belange bescheinigte, dem andererseits „allerdings die Komponente einer zukunftsorientierten, über das Gebotene hinaus­-
gehenden Vision fehlt“.
Sofern, was zu erwarten ist, die Verfasser des 1. Preises mit der Realisierung beauftragt werden, kann neben der Stadt München auch die Öffentlichkeit sehr zufrieden sein. Ein prägnan­-ter Teil des urbanen Gefüges wird modernisiert, ohne den Anschluss an die Geschichte zu verlieren. Eines aber fällt auf: Während die beiden Teilnehmer aus München leer ausgingen, kam hier wieder einmal ein Schweizer Büro bei einer großen städtebaulichen Reparatur zum Zuge – nach Herzog und de Meuron bei den „Fünf Höfen“ und Meili Peter bei der „Hofstatt“ auf dem früheren Gelände des Süddeutschen Verlags.
Einstufiger Realisierungswettbewerb im kooperativen
Verfahren mit 11 eingeladenen Teilnehmern
1. Preis
Morger Partner Architekten, Basel, mit Maurus Schifferli Landschaftsarchitekt, Bern
2. Preis Christ & Gantenbein Architekten, Basel, mit Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich
3. Preis Caruso St John Architects, London, mit Vogt Landscape, London
Anerkennung Ortner & Ortner Baukunst, Berlin, mit Topotek 1, Berlin
Ausloberin
München, Alte Akademie Immobilien GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der SIGNA-Gruppe
Wettbewerbsbetreuung
bgsm Architekten Stadtplaner
Fachpreisrichter
David Chipperfield (Vorsitz), Elke Delugan-Meissl, Gert F. Goergens, Wolfgang Lorch, Elisabeth Merk, Heinz Neumann, Peter Wich
Fakten
Architekten Morger Partner Architekten, Basel; Maurus Schifferli Landschaftsarchitekt, Bern; Christ & Gantenbein Architekten, Basel; Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich; Caruso St John Architects, London; Vogt Landscape, London
Adresse Neuhauser Str. 8,80331 München


aus Bauwelt 23.2016
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