Erinnerungsort Olympia-Attentat

An das Olympia-Attentat 1972 wird in Münchenbisher an drei Gedenkorten erinnert. Nun soll ein weiterer folgen – die Wahrnehmung und Einordnung des Anschlags hat sich im Lauf der Jahre geändert

Text: Parker, Dorothea, München

    Brückner & Brückner kappen scheinbar einen Hügel im Olympiapark und schaffen einen überdachten Platz, auf dem auch Schulklassen unterkommen können
    Abb.: Architekten

    Brückner & Brückner kappen scheinbar einen Hügel im Olympiapark und schaffen einen überdachten Platz, auf dem auch Schulklassen unterkommen können

    Abb.: Architekten

    Modellfoto: Franz Kimmel

    Modellfoto: Franz Kimmel

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

Erinnerungsort Olympia-Attentat

An das Olympia-Attentat 1972 wird in Münchenbisher an drei Gedenkorten erinnert. Nun soll ein weiterer folgen – die Wahrnehmung und Einordnung des Anschlags hat sich im Lauf der Jahre geändert

Text: Parker, Dorothea, München

Zur Erinnerung: Am 5. September 1972 wurden elf israelische Sportler, Teilnehmer der XX. Olympischen Sommerspiele, in ihrer Wohnung im Münchner Olympiadorf von einem PLO-Terrorkommando überfallen. Durch ihre Geiselnahme sollten 234 palästinensische Gefangene sowie die inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Bader und Ulrike Meinhof frei gepresst werden. Man erinnert sich an das Fernsehbild eines schwarz vermummten Terroristen auf dem Betonbalkon. Schon am ersten Tag wurden drei der Sportler ermordet. Am folgenden Tag, bei einem katastrophal missglückten Befreiungsversuch, kamen auf dem Militärflughafen Fürstenfeldbruck alle israelischen Geiseln, ein bayerischer Polizist und fünf der acht Geiselnehmer ums Leben. Dieser Überfall gilt inzwischen als erster transnationaler Terroranschlag, als erstes Attentat mit internationaler Medienwirkung. Er hat mit den Jahren an trauriger Bedeutung gewonnen.
Nach dem Attentat wurde im Olympischen Dorf, am Tatort Connollystraße 31, eine Gedenktafel für die israelischen Opfer errichtet, auf der kleine Steine abgelegt werden wie auf einem jüdischen Grab. 1995 wurde ein steinerner „Klagebalken“ des bayerischen Bildhauers Fritz König installiert, auf dem Weg zwischen Olympischem Dorf und Stadion. Auch in diesen sind die Namen der Opfer eingraviert, in hebräischer und lateinischer Schrift. Ein drittes Denkmal entstand 1999 auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Der nun geplante, vom bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer bei einem Staatsbesuch in Israel 2012 versprochene Erinnerungsort soll mehr, nicht nur dem Gedenken dienen, sondern auch vertiefende Information und Erkenntnis vermitteln.
Auftraggeber und Bauherr des Projekts ist der Freistaat Bayern. In einem ersten Schritt wurde ein eingeladener Wettbewerb ausgelobt, den das staatliche Bauamt München 2 betreute. Nach dem Votum einer mehrheitlich beamteten Wertungskommission ging der erste Preis nun an Brückner & Brückner Architekten, Würzburg und Tirschenreuth. Die Architekten haben einen überzeugend schlichten Entwurf abgeliefert, eine fast sprechende Architektur. Die XX. Olympischen Sommerspiele in München waren als heitere Spiele geplant, unter hellen Zeltdächern, in einer grünen Hügellandschaft (Architektur: Behnisch & Partner, Landschaftsplanung: Günther Grzimek). Die Tragik, mit der das Olympia-Attentat in die Spiele eingriff, findet nun einen deutlichen Ausdruck. In einem horizontalen Schnitt durch einen Hügel, unter einem Erd-Dach, das die natürliche Hügelkuppe abbildet und auf elf Stützen ruht, ist ein offener Raum gestaltet. Hier liegt ein leicht eingesenktes Atrium, groß genug, um auch Schulklassen zu fassen. Es soll Tag und Nacht zugänglich sein, mehr Platz als Raum, eher gestaltete Landschaft als Gebäude. Die elf Stützen, so die Architekten, stünden für die elf getöteten Sportler. Über den Ort des Gedenkens, südlich der Wohnanlage Connollystraße im Olympiapark vorgesehen, muss nach Protesten von Anwohnern, die ihren Schlittenberg gefährdet sehen, noch abgestimmt werden. Man soll Blickverbindung zum Tatort haben, zum Denkmal von Fritz König und zu den prägenden großen Gebäuden des Olympiageländes.
Der Erinnerungsort Olympia-Attentat soll im September 2016 eröffnet werden. Das Vermittlungskonzept liegt noch nicht vor. Es wird gerade von der Landeszentrale für politische Bildung ausgearbeitet, begleitet vom Direktor des Jüdischen Museums in München und vom Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
Einladungswettbewerb
Sieger Brückner & Brückner Architekten, Würzburg,Tirschenreuth
Weitere Teilnehmer Bertron Schwarz Frey, Berlin, Ulm, mit Tehiru Architects, Tel Aviv | chezweitz, Berlin | hg merz architekten museumsgestalter, Berlin, Stuttgart | Martin Kohlbauer Architekt, Wien | sinai. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin, mit ON architektur | Gestaltungsbüro für Architektur und Ausstellungen, Berlin
Wertungskommission
Barbara Holzer (Vorsitzende), Ludwig Spaenle, Sibylle Ludovisy, Friedrich Geiger, Werner Karg, Hans-Georg Küppers, Elisabeth Merk, Dan Shaham, Wolfgang Lorch, Stefan Behnisch, Gero Hoffmann,Maria Auböck

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