Besuch im NMAAHC in Washington

"Das ist das umwelt­freundlichste nationale Museum, das je in den USA gebaut wurde" - Projektarchitekt Philip G. Freelon über das National Museum of African American History and Culture von David Adjaye Architects in Washington

Text: Meyer, Friederike, Berlin

    Philip G. Freelon ist Architekt. 1990 gründete er The Freelon Group, die heute rund 60 Mitarbeiter beschäftigt und ihren Sitz in North Carolina hat. Als Projektarchitekt leitete er das Architektenteam Freelon Adjaye Bond/ SmithGroupJJR beim Bau des National Museum for African American History and Culture NMAAHC.
    Foto: Noah Willman

    Philip G. Freelon ist Architekt. 1990 gründete er The Freelon Group, die heute rund 60 Mitarbeiter beschäftigt und ihren Sitz in North Carolina hat. Als Projektarchitekt leitete er das Architektenteam Freelon Adjaye Bond/ SmithGroupJJR beim Bau des National Museum for African American History and Culture NMAAHC.

    Foto: Noah Willman

    Reminiszenz an den Nachbarn: Die Fassadenteile sind im gleichen Winkel geneigt wie die Spitze des Washington-Denkmals. Foto: Alan Karchmer

    Reminiszenz an den Nachbarn: Die Fassadenteile sind im gleichen Winkel geneigt wie die Spitze des Washington-Denkmals.

    Foto: Alan Karchmer

    Die Aluminium-Elemente der Fassade
    Foto: Smithsonian

    Die Aluminium-Elemente der Fassade

    Foto: Smithsonian

Besuch im NMAAHC in Washington

"Das ist das umwelt­freundlichste nationale Museum, das je in den USA gebaut wurde" - Projektarchitekt Philip G. Freelon über das National Museum of African American History and Culture von David Adjaye Architects in Washington

Text: Meyer, Friederike, Berlin

Herr Freelon, was war Ihre Rolle im Projekt?
Die Gruppe Freelon Adjaye Bond/SmithGroupJJR besteht aus mehreren Architekturbüros. Wir haben uns für den Architekturwettbewerb um das NMAAHC als Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden. Nachdem unser Projekt erfolgreich war, haben wir das Museum in der gleichen Kon­stellation entworfen und gebaut. Mein Büro, The Freelon Group, hatte die Rolle des Projektarchitekten und war Auftragnehmer des Bauherrn, des Smithsonian. Ich war also verantwortlich für die Koordination der anderen drei Büros David Adjaye Architects aus London, Davis Brody Bond, SmithGroupJJR und der Fachplaner. Das waren insgesamt 29. Ich musste sicherstellen, dass der Entwurf das Raumprogramm und alle anderen Wünsche des Bauherrn erfüllt sind.
Die Fassade beeindruckt unter anderem durch die variierende Transparenz der Aluminium-Elemente. Ist das nur ein gestalterisches Spiel?
Nein. Indem wir die Transparenz verändern, können wir manche Innenräume besser vor Lichteinfall und vor Hitze schützen. An anderen Stellen lassen wir mehr Sonne hinein. An manchen Stellen gibt es überhaupt keine Paneele, dort Rahmen wir den Blick in die Umgebung.
Von der Rolltreppe aus sieht man die massive Stahlkonstruktion und die bisweilen auch ho­rizontale Glasfassade hinter den Paneelen. Welchen technischen Herausforderungen sind Sie bei der Detaillierung begegnet?
Wir mussten das Anbringen der Paneele sorgfältig planen. Denn die 3600 Elemente wiegen 230 Tonnen. Da kann die Unterkonstruktion schnell verbiegen. Wir haben an allen Seiten gleichzeitig begonnen. Außerdem galt es zu verhindern, dass Vögel in der Fassade nisten. Wir untersuchten verschiedene Möglichkeiten, unter anderem ein Geräusch in der Frequenz, die Vögel abschreckt und für Menschen nicht wahrnehm­bar ist. Wir entschieden uns dann aber für Drähte, die verhindern, dass sich Vögel in die Fassade setzen. Schließlich stand die Frage wie wir die Glasfassade dahinter reinigen. Ganz oben wurde dafür ein Rollwagen installiert, von dem sich die Fensterreiniger abseilen können.
Das Haus wirkt wie maßgeschneidert für die Ausstellungen. Inwiefern hat die Architektur hier tatsächlich auf das Ausstellungskonzept reagiert?
Die Entscheidung, dass die geschichtliche Ausstellung ganz unten beginnt, fiel nach vielen Diskussionen zwischen Architekten, Ausstellungsgestaltern, dem Museumsdirektor und den Mitarbeitern. Das Ziel war ein möglichst nahtloses Besuchererlebnis. Die Besucher beginnen ihre Reise durch die afroamerikanische Geschichte in kleinen, niedrigen und dunklen Räumen. Der Weg führt über Rampen aufwärts in größere, höhere Räume, vorbei an Sitzecken, Filmwänden und Aussichtspunkten und durch begehbare Objekte wie zum Beispiel einen Eisenbahnwag-gon mit getrennten Sitzen für Schwarze und Weiße. Er endet mit dem Kapitel „1968 und danach“ ein Geschoss unterhalb des Straßen­niveaus.
Im Foyer fühlte ich mich irgendwie verloren. Sehr viele Materialien treffen aufeinander und die abgestufte Decke mit den unregelmäßig gesetzten Lichtern wirkt recht unruhig. Welches Konzept steckt dahinter?
Die Decke stuft sich von der Mitte aus in alle vier Richtungen nach oben, leitet die Blicke zur Glasfassade und der dahinterliegenden Landschaft. Das betont einerseits die Skulptur von Richard Hunt, die am tiefsten Punkt in der Mitte hängt. Andererseits hat es akustische Gründe.
Das Museum hat die LEED-Zertifizierung in Gold erhalten. Was trägt dazu bei?
Das Museum ist das nachhaltigste Nationalmuseum, das in den USA je gebaut wurde. Das hat unter anderem mit der kompakten Form zu tun, mit Regenwasser, das auf dem Dach für die Bewässerung der Außenanlagen gesammelt wird. Es gibt Wärmepumpen und unterschiedliche thermische Zonen im Gebäude je nach Nutzung. Die Räume der Mitarbeiter haben 75 Prozent Tageslicht, in allen anderen Räumen wird zur Hälfte Tageslicht genutzt, das reduziert Energiekosten. Wir nutzen Brauchwasser für die Toilettenspülung und wassersparende Armaturen. Mit Spanplatten und Baustahl haben wir recycelte Materialen verbaut, Stahl und Beton kommen aus maximal 500 Kilometer Entfernung. Wir kon­trollierten die Baustellenabfallbeseitigung und messen den CO2-Ausstoß der Oberflächen­materialien.
Der Winkel der geneigten Museumsfassadenflächen entspricht dem der Obeliskenspitze des Washington-Denkmals nebenan. Warum?
Das Museum steht an sehr prominenter Stelle direkt neben dem Washington-Denkmal. Wir fanden es wichtig, dass das Museum nicht nur einzigartig erscheint, sondern dass es auch respektvoll gegenüber seinen Nachbarn auftritt. Aus diesem Grund steht das Museum ebenso wie das Washington-Denkmal auf quadratischem Grundriss. Aus diesem Grund sind auch die Seitenflächen der dreiteiligen Krone um 17.5 Grad zur Vertikale geneigt, genau so viel wie die Spitze des Denkmals. Es ist eine kleine Geste, die die Beziehung beider Bauten ausdrücken soll.
Fakten
Architekten Freelon, Philip G., Durham (USA)
Adresse 14th St and Constitution Ave, NW, Washington, DC 20001, Vereinigte Staaten


aus Bauwelt 5.2017
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