Wir können jetzt mehr Mitarbeiter einstellen und gehen je­den Tag gerne arbeiten

Interview mit der stellvertretenden Museumsdirektorin des Wattenmeer-Zentrums Susanne Andersen

Text: Spix, Sebastian, Berlin

Blick in den Innenhof des von Dorte Mandrup für das dänische Wattenmeer-Zentrum gestaltete Gebäude
Foto: Adam Mørk

Blick in den Innenhof des von Dorte Mandrup für das dänische Wattenmeer-Zentrum gestaltete Gebäude

Foto: Adam Mørk


Wir können jetzt mehr Mitarbeiter einstellen und gehen je­den Tag gerne arbeiten

Interview mit der stellvertretenden Museumsdirektorin des Wattenmeer-Zentrums Susanne Andersen

Text: Spix, Sebastian, Berlin

Wie gefällt Ihnen der Entwurf von Dorte Mandrup?
Wir haben mit dem neuen Gebäude die beste Architektur bekommen, die man sich als Museumsdirektor wünschen kann. Ein Journalist der dänischen Tageszeitung „Politiken“ bezeich­nete den Entwurf als „kritischen Regionalismus“. Die Form, die wohlproportionierte Größe der einzelnen Räume und die verwendeten Materia­lien beeidrucken mich am meisten. Ich denke, unsere Gäste sind von dem Gebäude deshalb sehr beeindruckt, weil Dorte Mandrup sich mit ihrem Konzept auf regionale Bauten und Materialien bezieht. Damit können sich die Besucher identifizieren.
Welche Ansprüchen hatten Sie an das neue Gebäude?
Wir haben viele Schulklassen zu Besuch, daher wünschten wir uns ein Gebäude, dass uns erlaubt, mehrere Besuchergruppen parallel einzuladen. Eine gute Akustik war uns wichtig, und wir benötigten mindestens fünf Räume für fünf unterschiedliche Ausstellungsthemen. Alles das hat Dorte Mandrup gemeinsam mit Johan Carlson von JAC studios ideal gelöst. Überhaupt war die Kommunikation zwischen uns und den Planern wunderbar, ein wesentlicher Aspekt, den ich im Allgemeinen für das wichtig­s­te bei solchen Projekten erachte.
Was hat sich in Bezug auf das alte Gebäude verändert?
Das alte Gebäude wurde in den achtziger Jahren wie ein Bauernhof gebaut und hatte keine Ausstrahlung. Erst nach der Fertigstellung wurden die Ausstellungen im Gebäude konzipiert. Eine gewisse Zeit hat das funktioniert. Aber mit dem neuen Gebäude ist alles besser und einfacher geworden. Tatsächlich war es für uns großartig, zweimal bauen zu dürfen. So konnten wir beim zweitem Mal aus gemachten Fehlern und gewonnenen Erfahrungen alles besser machen. Beim ersten Bau waren Klaus und ich nicht sehr in die architektonische Konzeption eingebunden. Deshalb war das alte Gebäude zu klein; eine Ausstellung braucht ja eine Mindestgröße, um ihr thematisch gerecht zu werden.
Welche Erwartungen haben Sie an den Neubau?
Wir haben das alte Haus im Juni 2015 geschlossen. Unser Besucherrekord lag damals etwa bei 30.000 Gästen. Jetzt hoffen wir auf 45.000 pro Jahr. Seit der Neueröffnung vor zwei Mo­naten hatten wir bereits 15.000 Gäste. Heute, am 25. März, waren mehr als 600 Besucher hier! Damit haben wir nicht gerechnet. Wir können jetzt mehr Mitarbeiter einstellen und gehen je­den Tag gerne arbeiten. Diese Entwicklung ist ganz sicher unser größter Erfolg. Die Architek­-tur ist definitiv die Hauptattraktion. Besucher kommen aus ganz Dänemark angereist. Viele davon sind Architekten, die sich für den Neubau interessieren. Ich habe das Gefühl, hier machen die Besucher eine ästhetische Erfahrung, die sie von bisherigen Naturausstellungen nicht kennen. Wir möchten hier einerseits zeigen, wie schön die Wattenmeerlandschaft ist, und gleichzeitig vermitteln, wie wir sie beschützen und erhalten müssen.
Susanne Andersen ist Architektin und leitet das Wattenmeer-Zentrum gemeinsam mit dem Agrarwissenschaftler Klaus Melbye
Fakten
Architekten Andersen, Susanne, Ribe
aus Bauwelt 8.2017
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