Moderne in Afrika

Asmara. Die Konstruktion einer italienischen Kolonialstadt 1889–1941

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

Moderne in Afrika

Asmara. Die Konstruktion einer italienischen Kolonialstadt 1889–1941

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

An der Lektüre dieses Buchs bin ich gescheitert – 58 der gut 280 Seiten habe ich durchgearbeitet, dann verließen mich die Kräfte, auch beim zweiten Anlauf, knapp ein Jahr später. Dabei hatte ich mir Einiges von der Lektüre versprochen. Asmara, seit 1900 Hauptstadt des italienisch besetzten Eritrea und in den 30er Jahren bedeutend erweitert, gilt spätestens seit der Ausstellung „Asmara. Africa’s secret modernist city“ (Bauwelt 40–41.2006) als ein Reiseziel für alle, die sich mit der so interessanten, weil widersprüchlichen Architekturpolitik des italienischen Faschismus befassen möchten. Deren Hakenschläge werden für die deutschsprachige Architekturgeschichtsschreibung erfreulicherweise allmählich aufgearbeitet – erinnert sei nur an Bodenschatzens Überblickswerk „Städtebau für Mussolini“ (Bauwelt 12.2012), an Spiegels Planungsgeschichte der Neustädte im Agro pontino (Bauwelt 32.2011) und an die beiden im letzten Jahr erschienenen Monographien zu Marcello Piacentini (Bauwelt 14.2016) und Angiolo Mazzoni (Bauwelt 7.2017). Vera Simone Baders Asmara-Porträt reiht sich in diese Forschungs- und Publikationslinie ein, und auf den ersten Blick weiß das Buch auch für sich einzunehmen: Hardcover, dazu üppig illustriert mit Plänen, historischen und zeitgenössischen Fotos, gewichtig, aber mit 288 Seiten auch nicht abschreckend ausufernd. Die Anerkennung des architektonischen Bestands als UNESCO-Weltkulturerbe im vergangenen Sommer hebt die Aufmerksamkeit und Neugierde zusätzlich.
Woran es gelegen hat, dass ich die Lektüre zweimal abgebrochen habe, ist der für mich lei­-der ziemlich unzugängliche Akademiestil der Auto­-rin. Kostprobe? Bitte sehr: „…doch gelingt es ihr, Lyauteys Kolonialpolitik zu dechiffrieren, indem sie Formen der Dominanz in der städtebaulichen Gestaltung aufdeckt und damit offenbart, dass die visuellen Strategien für die Politik Lyauteys von immenser Bedeutung waren.“ Nun gut, wir sind erst auf Seite 17, vielleicht hat sich Bader noch nicht „warmgeschrieben“, und ein Kapitel über „Asmara im Kontext der postkolonialen Studien“ verspricht auch nicht unbedingt Lektürefreuden – es wird aber nicht besser. Noch so ein Beispiel: „Der Verzicht auf eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem sozial genutzten Raum ist dabei ein Kritikpunkt, der nicht allein bezüglich der urbanen Entwicklung von Asmara diskutiert wird.“ Steht auf Seite 50; ich habe den eigentlich einfachen Satz drei Mal gelesen, und sein Sinn wurde mir darüber immer undeutlicher. So ging es mir wieder und wieder. Doch was soll’s, dass ein Buch und ein Leser einfach nicht zusammen kommen können, kann passieren, ein anderer mag einen Zugang zu diesem Text leichter finden. Ein bisschen Hineinlesen vor dem Kauf, das sei dem Interessierten aber empfohlen.

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