Hans Bellmann

Protagonist der Schweizer Wohnkultur

Text: Drewes, Frank F., Herzebrock-Clarholz


Hans Bellmann

Protagonist der Schweizer Wohnkultur

Text: Drewes, Frank F., Herzebrock-Clarholz

Seit fünf Jahren stellt die Reihe Design+Design mit der Serie „Protagonisten der Wohnkul­tur“ verborgene Schätze der Schweizer Design­geschichte vor, die der Öffentlichkeit in Form einer Ausstellung im Architekturforum Zürich sowie in der hier vorliegenden Publikation zugänglich gemacht werden.
Hans Bellmann (1911–1990) war ein Schweizer Designer und Architekt mit deutschen Wurzeln, dessen Karriere begann, als das Bauhaus endete. Sein auf den 1.4.1933 ausgestelltes Bauhaus-Diplom trägt die Nr. 115, ist von Ludwig Mies van der Rohe und Ludwig Hilbersheimer unterschrieben und somit das letzte Diplom der Bauabteilung, die am 11.4.1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Bis 1934 arbeitete er im Berliner Atelier von Mies van der Rohe, kehrte dann aber wegen der politischen Situation in Deutschland in die Schweiz zurück und gab später aus Protest sogar seine Deutsche Staatsbürgerschaft ab. Wegen der tiefen wirtschaftlichen Krise in der Schweiz begann Bellmann als Schaufensterdekorateur und dann für vier Jahre als Ladenbauer und Entwickler von Kastenmöbeln bei der Wohnbedarf AG in Zürich, so dass sein Werdegang erst über „Umwege“ zur Architektur führte. Es folgten weitere sieben Jahre als Angestellter in Architekturbüros in Zürich, Lugano und Bern, bevor er sich 1946 als freier Architekt und Industrie-Entwerfer in Zürich niederließ.
Der Blick auf den Lebenslauf und sein Œvre macht deutlich, dass Hans Bellmann in erster Linie ein begnadeter Produktentwickler war. Architekturprojekte und (kurze) Lehrtätigkeiten u.a. an der Hochschule für Gestaltung in Ulm unter Max Bill und an der University of Washing­-ton in Seattle waren eher wegbegleitend als -ebnend. Folgerichtig legt diese Monographie ihren Schwerpunkt auf die Möbelentwürfe, die ihm vor allem in den 50er Jahren zu internationalem Ansehen verhalfen. Das Spannstützenregal von 1946 zeigt den virtuosen Umgang Bellmanns mit Material, Form und Funktion. So sachlich wie poetisch sind seine Entwürfe auf den Punkt gebracht. Der Einpunktstuhl von 1951 befindet sich noch heute in Produktion und beschränkt sich auf eine einzige Schraube, mit der die Bugholzsitzschale auf dem verchromten Untergestell befestigt wird. Auch der, formal noch eigenständigere, Zweischalenstuhl von 1955 war grund­legend innovativ und in Europa einzigartig.
Ausführlich und wohldosiert berichten Joan Billing und Samuel Eberli über die verschiedenen Aspekte Bellmanns Schaffen, dessen Zeitlosigkeit diese Monografie sowohl inhaltlich als auch in ihrer ansprechenden grafischen Erscheinung belegt.
Fakten
Autor / Herausgeber Joan Billing und Samuel Eberle
Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2015 I
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aus Bauwelt 24.2018
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