Bauhaus Reisebuch Weimar. Dessau. Berlin

Weimar. Dessau. Berlin

Text: Hotze, Benedikt, Berlin

Bauhaus Reisebuch, Weimar. Dessau. Berlin, Ingolf Kern, Susanne Knorr und Christian Welzbacher (Hrsg.), 304 Seiten mit 122 Farb- und 109 s/w-Abbildungen, 19,95 Euro, Prestel Verlag, München, London, New York 2017, ISBN 978-3-7913-8244-9

Bauhaus Reisebuch, Weimar. Dessau. Berlin, Ingolf Kern, Susanne Knorr und Christian Welzbacher (Hrsg.), 304 Seiten mit 122 Farb- und 109 s/w-Abbildungen, 19,95 Euro, Prestel Verlag, München, London, New York 2017, ISBN 978-3-7913-8244-9


Bauhaus Reisebuch Weimar. Dessau. Berlin

Weimar. Dessau. Berlin

Text: Hotze, Benedikt, Berlin

Der Event-Tourist ist heutzutage wenig verlässlich. Jedenfalls ist er zum Lutherjahr 2017 in weitaus geringerer Anzahl an den locations in Wittenberg, Eisleben und Co. erschienen, als er eigentlich sollte. 2019 ist dann Bauhausjahr, und die Nachfolge-Organisationen des historischen Bauhauses in Weimar, Dessau und Berlin bereiten sich seit Jahren in ihrer Programmplanung darauf vor. Anlass für den Prestel-Verlag, ein „Bauhaus-Reisebuch“ zu den drei Städten vorzulegen. Und was ist, wenn wieder nicht genug Leute zum Jubiläum kommen? Ach, Bauhaus zieht immer, und so ist der vorliegende Band denn auch eine aktualisierte Neuauflage einer Erstausgabe von 2011, die schon ohne Bauhausjahr ihre Leser fand.
In drei Ortskapiteln, besorgt von drei ausgewiesenen Autoren, bereist das Buch Gebäude und Stätten, die in einem inhaltlichen oder personellen Bezug zum Bauhaus stehen. Die kuratorische Auswahl der Objekte ist bei einem so heterogenen Sujet naturgemäß eine Gratwanderung. Ist der Kantgaragenpalast von 1930 ein Bauhausgebäude, weil der zeitweilige Bauhaus-Assistent und Gropius-Mitarbeiter Richard Paulick in einem nicht ganz geklärten Maße zum Entwurf beigetragen haben soll? Richtigerweise verneinen die Autoren die Existenz eines spezifischen „Bauhaus-Stils“, obwohl genau das in Volksmund und Maklersprache ein scheinbar eindeutiger Begriff ist. Problematisch wird es dennoch, wenn auch die Stalinallee in ei­nen Bauhaus-Bezug gebracht wird, nur weil – er sei erneut herausgegriffen – der Re-Migrant Paulick in den 50er Jahren, also 20 Jahre nach der Schließung des Bauhauses, einen wesentlichen Part der Nati-Tradi-Architektur verantwortet hat, die phänomenologisch im denkbar krassesten Widerspruch zu dem steht, was man landläufig unter „Bauhaus“ erwartet. Aber genau das könnte auch die Stärke dieses Reisebuchs sein: dem Leser die Vielfalt der im Bauhaus-Kontext entstandenen Architektur vorzufüh­-ren. Denn „Bauhaus“ war kein Form-, sondern ein Lehr-, Entwurfs- und Produktionskonzept.
Und so erzählt das Buch auch von Vorbedingungen und Nachwirkungen des Bauhauses, es setzt sich zum Beispiel mit der Liaison Gropius-Junkers als Voraussetzung für die Serienfertigung der Bauhausmöbel auseinander, es behandelt breit den – persönlich mit dem Bauhaus nicht verbundenen – Peter Behrens als Industriedesigner und Architekten, dessen ganzheitlicher Gestaltungsansatz dem späteren Bauhaus-Ideal schon sehr nahekommt. Weiter reisen wir nach Probstzella mit der expressionistischen Stadtkrone „Haus des Volkes“, dessen seitliche Anbauten im Inneren von den Bauhauswerkstätten ausgestattet wurden, und werden dann, schwerpunktmäßig in Dessau, mit den glücklicherweise noch fast vollständig vorhandenen Bauten konfrontiert, die dort im und für das historische Bauhaus in seiner produktivsten Phase entstanden sind. Die Umstände ihrer Erbauung sowie ihre Sanierungsgeschichte werden ausführlich dargelegt.
Lediglich bei der Aktualisierung der Neuauflage hätten auch zeitnähere Ereignisse noch berücksichtigt werden können: Die erwähnten Kantgaragen sollen nach einem Besitzerwechsel nun nicht mehr abgerissen, sondern von Nalbach + Nalbach grundlegend umgestaltet und damit gerettet werden. Das ist seit November 2016 öffentlich bekannt, hat aber keinen Eingang mehr in das im Juni 2017 erschienene Buch gefunden.
Fakten
Autor / Herausgeber Ingolf Kern, Susanne Knorr, Christian Welzbacher (Hrsg.)
Verlag Prestel Verlag, München, London, New York 2017
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aus Bauwelt 22.2017
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