Baustelle Palästina

Zerstörung und Wiederaufbau, Sicherheitskontrollen sowie das überall im Straßenbild präsente Militär sind im Heiligen Land, auf beiden Seiten der Grenze, tägliche Realität. Wie arbeiten palästinensische Denkmalschützer, Architekten und Stadtplaner unter solchen Umständen?

Text: Mühlbauer, Lore, München

    Blick vom Dach des Palestinian Museum, das gerade in Bir Zait entsteht
    Foto: Antonio Ottomanelli

    Blick vom Dach des Palestinian Museum, das gerade in Bir Zait entsteht

    Foto: Antonio Ottomanelli

    Die Talsenke der historischen Altstadt von Nablus
    Foto: Ray Smith/IPS

    Die Talsenke der historischen Altstadt von Nablus

    Foto: Ray Smith/IPS

    Die Mauer zwischen Israel und Palästina (im Bild ein Teilstück außerhalb Jerusalems) setzt sich auch in ländlichen Gebieten fort – ein Problem, nicht nur für das Leben der Beduinen (links vorne)
    Foto: Justin Ames

    Die Mauer zwischen Israel und Palästina (im Bild ein Teilstück außerhalb Jerusalems) setzt sich auch in ländlichen Gebieten fort – ein Problem, nicht nur für das Leben der Beduinen (links vorne)

    Foto: Justin Ames

    Eindrücke aus Ramallah, August 2015
    Foto: Michael Voigtländer

    Eindrücke aus Ramallah, August 2015

    Foto: Michael Voigtländer

    Die Organisation Riwaq saniert historische Bauten, die oft lange leer standen. Links und 2. Reihe links: das ottomanische Gerichtshaus in der Altstadt von Ramallah

    Foto: Michael Voigtländer

    Die Organisation Riwaq saniert historische Bauten, die oft lange leer standen. Links und 2. Reihe links: das ottomanische Gerichtshaus in der Altstadt von Ramallah

    Foto: Michael Voigtländer

Baustelle Palästina

Zerstörung und Wiederaufbau, Sicherheitskontrollen sowie das überall im Straßenbild präsente Militär sind im Heiligen Land, auf beiden Seiten der Grenze, tägliche Realität. Wie arbeiten palästinensische Denkmalschützer, Architekten und Stadtplaner unter solchen Umständen?

Text: Mühlbauer, Lore, München

Reist man von Deutschland aus ins Heilige Land, wie ich es während der Vorbereitung dieser Ausgabe der Bauwelt in letzter Zeit mehrmals getan habe, überraschen Palästina und Israel durch ihre geringen Dimensionen. Circa 13 Millionen Einwohner leben hier auf einem Gebiet von rund 300 Kilometern in Nord-Süd- und 100 Kilometern in Ost-West-Richtung, ca. acht Millionen davon in Israel (80% Juden), fünf Millionen in den palästinensischen Gebieten (80% Araber). Zusammen umfasst die Fläche 22.000 Quadratkilometer, gerade mal ein Viertel der Größe Bayerns, bei annähernd gleicher Einwohnerzahl.
Wer in Palästina etwas bauen will, sieht sich aufgrund der komplexen politischen Lage mit einem extrem fragmentierten Gebiet konfrontiert. Für den 2013 vom Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas ausgerufenen „Staat Palästina“ mit 16 Verwaltungsregionen gibt es keine Verfassung oder Gesetzgebung. Seine Fläche wird zusehends durch israelische Siedlungen verkleinert (derzeit misst sie 6200 km²) und von einem zusammenhängenden Gebiet auf kleine räumliche Einheiten um die historischen Siedlungen herum verändert.
Zudem sind die palästinensischen Siedlungsflächen in drei Zonen unterteilt (Karte Seite 15), in denen unterschiedliche Voraussetzungen bestehen. Relativ autonom sind die Zonen A (18%) und B (20%), in der größeren Zone C (62%) kon-trolliert Israel insbesondere die Infrastruktur, also Straßen und öffentlichen Nahverkehr, Ver- und Entsorgung und die Grenzen und stellt die Polizei. Eine genaue Trennung zwischen den Zonen untereinander und zwischen der Zone C und israelischem Staatsgebiet ist schwierig, da die Paläs-tinensische Autonomiebehörde nur über Teile ihres Territoriums verfügt und auch nur beschränkte Befugnisse hat. Ihre ohnehin isolierte Position wird durch die Auseinandersetzungen zwischen der gemäßigten Fatah im Westjordanland und der radikaleren Hamas im Gazastreifen gespalten und geschwächt.
Wirtschafts-, Sozial- und Verkehrsentwicklung leiden unter dem fehlenden territorialen Zusammenhang und in einer wasserarmen Gegend unter der israelischen Kontrolle der Versorgung mit Wasser aus dem Jordantal. Doch trotz aller Restriktionen boomt der Bausektor im Westjordanland. Mit dem Kapital ausgewanderter Palästinenser und der Arbeitskraft der in Israel nicht mehr erwünschten palästinensischen Bauarbeiter werden einheimischer Zement und Steine in den Verdichtungsräumen um Jerusalem, in Bethlehem und Hebron sowie Nablus und vor allem Ramallah verbaut.
Historische Spuren in Palästina
In den Geschichtsbüchern wie in den Stadtgrundrissen sind die historischen Verflechtungen mit Deutschland und Europa zahlreich. 1898 bereiste der protestantische deutsche Kaiser Wilhelm II. Palästina, damals noch Teil des osmanischen Reiches, um in Jerusalem die Erlöserkirche einzuweihen und die unter dem Protektorat des Deutschen Reiches stehenden deutschen Siedler aufzusuchen. Noch heute sind in vielen Städten Spuren der Eisenbahnstrecke erhalten, auf der man Anfang des 20. Jahrhunderts von Berlin aus über Konstantinopel, Damaskus und Beirut nach Jaffa, Gaza und Suez reisen konnte.
1917 unterlagen die in Jerusalem stationierten deutschen Truppen unter osmanischer Führung und übergaben die heiligen Stätten in Jerusalem kampflos den Briten. Unter britischem Protektorat wurde 1922 die „Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ bei gleichzeitigem Versprechen eines unabhängigen arabischen Staates vereinbart und so die Basis des bis heute andauernden Konfliktes gelegt. Die Zunahme jüdischer Immigration nach der Schoah und die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 führten zu Flucht und Vertreibung der arabischen Bevölkerung, die Palästinenser als Nakba (Katastrophe) bezeichnen. Unzählige Vermittlungsversuche sowie die Arbeit internationaler NGOs haben an diesem Problem nichts geändert. Fast gelungen wäre eine Annäherung mit dem Abkommen von Oslo 1993 zwischen Jassir Arafat und Itzhak Rabin, der 1995 durch einen jüdischen Fanatiker ermordet wurde. Seither hat die Separation wieder zugenommen, zuletzt eskalierte die Situation mit dem Gazakrieg im Sommer 2014.
Architektur als Herrschaftsinstrument
Die sichtbarste räumliche Auswirkung des ungelösten Konflikts ist eine 750 Kilometer lange Mauer. Sie durchschneidet auch biblische Orte wie Jerusalem (das einen Sonderstatus hat und von beiden Seiten als Hauptstadt beansprucht wird), Bethlehem und Hebron. Israel baute sie  nach dem zweiten palästinensischen Aufstand, der sogenannten Zweiten Intifada, im Jahr 2003, um die israelischen Siedlungen zu schützen. Das teilweise sechs Meter hohe Bauwerk setzt sich in ländlichen Gebieten als ein weit in die Tiefe des Landes einschneidender Stacheldrahtzaun fort. Diese Architektur der Abgrenzung wird durch Verbindungsstraßen überspitzt, die nur Autos mit israelischen Kennzeichen nutzen können. Sie sind mit Zäunen und Mauern geschützt und isolieren palästinensische Siedlungen und landwirt-schaftliche Flächen. Immer neue, oft illegale jüdische Siedlungen sorgen für weiteren Konfliktstoff.
So wird Architektur zu „in Material gegossener Politik“, wie es der israelische Architekt und Redakteur Eyal Weizman in seinem Buch „Sperrzonen“ formuliert, das Israels Methoden kritisiert, Landschaft und Siedlungen in Herrschaftswerkzeuge umzuwandeln. Auch andere israelische Gruppen engagieren sich gegen die Ausübung von Macht durch bauliche Eingriffe, wie das „israelische Komitee gegen Hauszerstörungen“, das gegen den Abriss arabischer Gebäude protestiert, die von den israelischen Behörden als Schwarzbauten eingestuft werden, und direkt beim Wiederaufbau hilft.
Ansätze im Westjordanland
Können die Palästinenser auf einem immer kleineren Territorium überhaupt räumliche und städtebauliche Planungen verfolgen, und wie können sie den komplexen rechtlichen, territorialen und gebauten Realitäten begegnen? Auf den folgenden Seiten stellen wir in Interviews palästinensische Architekten und Autoren vor, die mit ihren Projekten an einer konstruktiven Antwort auf diese Fragen arbeiten. Gemeinsam ist ihnen das Bemühen um eine eigene gebaute Identität und eine autochthone Architektursprache, sei es bei Erhalt und Umformung historischer Bausubstanz oder bei der Planung und Errichtung einer neuen Stadt.
Das historische Erbe spielt dabei eine wichtige Rolle. Obgleich die Palästinensische Autonomiebehörde keine Denkmalschutzgesetze erlassen hat und auch kein hoheitlicher Bauvollzug stattfindet, versuchen Architekten und Planer, Bau- und Kulturdenkmäler auch mit internationaler Unterstützung zu erhalten. Die Denkmalschutzorganisation Riwaq mit Sitz nahe Ramallah erfasst, systematisiert und bewahrt das bauhistorische Erbe im Westjordanland und im Gazastreifen seit 1991. Ihre 15 Mitarbeiter katalogisieren 30.000 Einzelbauten und 50 Ensembles, von der Antike bis zur Gegenwart. Neben dem Erhalt sorgt eine einfühlsame und verträgliche Umnutzung wie beim ottomanischen Gerichtshaus in Ramallah dafür, dass die Bausubstanz – in diesem Fall als Kulturzentrum – der Öffentlichkeit zur Verfügung steht und intensiv genutzt wird.
In Nablus, eine traditionellere Stadt als das weltoffene Ramallah, engagiert sich der Architekt und Planer Naseer Arafat, Verfasser einer Stadtchronik mit architektonischem Schwerpunkt, für einen lebendigen Umgang mit der orientali-schen Tradition. Sein Kulturzentrum CHEC, eine ehemalige Seifenfabrik, liegt mitten in der weitläufigen, dicht bebauten historischen Altstadt, die von Hügeln mit massiver Wohnbebauung und den engen und unregelmäßigen Baublöcken der Flüchtlingslager umgeben ist. Der Architekt begann nach der Zweiten Intifada, Bauelemente zerstörter historischer Gebäude zu sammeln, zu erhalten und neu zu interpretieren. Von Kindern bemalte Holztüren werden an geeigneten Stellen in Nablus, aber auch z.B. in Gebäuden in Paris eingebaut. Als Quartiersmanager stellt er sein Zentrum für kulturelle Aktivitäten kostenlos zur Verfügung, ebenso bietet er eine kleine Bibliothek sowie Spielzeug und Fahrräder für Kinder an.
Während diese Initiativen dringend benötigten Raum in historischen Gebäuden schaffen, ist Bauland in Nablus, Ostjerusalem und den Verdichtungsräumen stark reglementiert. Um für die stetig und rasch wachsende Bevölkerung ausreichend Wohnungen zu schaffen, entsteht in der palästinensisch verwalteten A-Zone die unter palästinensischen Architekten viel diskutierte Kleinstadt Rawabi für 40.000 Einwohner mit Geld aus Katar. Kritiker bezeichnen die Retortenstadt als Kopie israelischer Siedlungen und fürchten negative Auswirkungen auf die gewachsenen Strukturen im Umfeld. Aktuell können einhundert bereits fertiggestellte Wohnungen wegen fehlender Wasserversorgung nicht bezogen werden. Man wartet auf die Genehmigung durch das gemeinsame israelisch-palästinensische Wasserkomitee, das jedoch seit fünf Jahren nicht mehr getagt hat. Der Wasseranschluss wurde nun vom israelischen Ver-teidigungsminister Moshe Ya’alon angeordnet und hat zu einem Regierungsstreit in Jerusalem geführt.
Ganz in der Nähe und unmittelbar an das Gelände der größten palästinensischen Universität  angrenzend befindet sich ein weiteres ambitioniertes Neubauprojekt: das Palestinian Museum in Bir Zait. Es soll Ende des Jahres fertiggestellt werden. Wie Museumsdirektor Jack Persekian im Gespräch erläutert, soll das Museum künftig ein Forum für freien Gedankenaustausch über alle Checkpoints und Betonmauern hinweg in beide Richtungen sein und eine palästinensische Identität für die Palästinenser in aller Welt formulieren. Die terrassenartige Anlage erinnert an das Mahmoud Darwish Museum in Ramallah des kürzlich verstorbenen Architekten Jaafar Touqan (Nachruf Bauwelt 6.15). Es ist jedoch weniger streng und monumental gestaltet.
Projektleiter Conor Sreeman vom irischen Büro Heneghan Peng setzt zusammen mit dem palästinensischen Ingenieur Feras Tubaileh den Wettbewerbserfolg aus dem Jahr 2011 um und ist dafür monatlich eine Woche vor Ort.
Mit weitaus geringerer politischer und finanzieller Unterstützung arbeitet das junge Büro ShamsArd (arabisch für „Sonne Erde“) an kleinen Projekten. Aus alten Möbeln und Recyclingmaterial entsteht kostengünstige neue Innenarchitektur für Wohn- und Ausstellungsräume. In Jericho, der tiefstgelegensten und heißesten Stadt der Welt, haben die Architekten kürzlich ein ungewöhnliches Wohnhaus aus Lehm und farbigem Glas fertiggestellt. Die Architektin Danna Massad schildert den beruflichen Alltag zwischen ausbleibenden Genehmigungen und fehlenden Baumaterialien und zeigt, wie Not erfinderisch macht.
Die Auswahl der Projekte und die Aufbereitung des Materials für die deutschen Leser in dieser Ausgabe soll keinesfalls einen Normalzustand suggerieren, der den Besetzungsstatus und die damit verbundenen Konsequenzen in den palästinensischen Gebieten relativieren würde. Vielmehr soll die Vermittlung palästinensischer Baukultur an ein internationales Publikum eine fruchtbare Kommunikation in beide Richtungen fördern.
Von São Paulo nach Ramallah
Interview mit Laura Hartz (ist seit Oktober 2014 Leiterin des Goethe-Instituts Palästinensische Gebiete)
Frau Hartz, Sie leiten seit fast einem Jahr das Goethe-Institut in Ramallah. Wie erleben Sie die Kulturarbeit in Palästina?
Ich war sehr überrascht, wie international der Kulturbereich ist. Ich arbeite mit einer lokalen Szene zusammen, die nicht unbedingt immer hier vor Ort ist, sondern auf der ganzen Welt verteilt. Es ist auch erstaunlich, wie viele Kultureinrichtungen es gibt – und wie wenig Mittel sie zum Teil für ihre Arbeit haben. Wichtige Kulturräume können oft nicht durchgängig betrieben werden oder eigene Programme anbieten.
Was fällt Ihnen im öffentlichen Raum und an architektonischen Besonderheiten auf?
In Ramallah haben mich die riesigen LED-Werbetafeln verblüfft. Das war ich nicht mehr gewohnt. In São Paulo, wo ich vorher gearbeitet habe, ist Werbung im öffentlichen Raum verboten. Gleich neben diesen blinkenden Tafeln stehen teilweise historische Gebäude. Diese alten Häuser sind aus großen Steinen gebaut, meist einstöckig, eine ganz klare, sehr schöne Architektur. Im Gegensatz dazu ist die Textur der Städte nicht leicht zu lesen: Ich kann manchmal immer noch nicht erkennen, wo eine Stadt aufhört und die nächste anfängt. Für die Bewohner ist dies natürlich ganz klar und wichtig, sie identifizieren sich stark mit ihrem Dorf oder ihrer Stadt.
Wie wird hier Stadtplanung betrieben?
Dadurch, dass die einzelnen Gebiete ganz unterschiedlichen politischen Phasen, Krisen und Gesetzgebungen unterlagen und unterliegen, ist eine langfristige Planung schwierig. Für Verkehrswege gibt es zum Beispiel keinen strategischen Plan. Auch für Ramallah gibt es keinen Masterplan. Mitten in den Städten sind zum Teil Flüchtlingscamps integriert, die man oft nur an der Art der Häuser und dem anderen Stadtgefüge erkennt.
Wie wichtig ist Bauwesen und Architektur für die Bildung einer palästinensischen Identität?
Identität ist ein zentrales Thema in allen Bereichen. Gerade bei großen Vorhaben wie dem Palestinian Museum geht es sehr stark um die soziale und kulturelle Identität dieses Landes. Doch die Antwort auf die Frage: „Was ist palästinensische Architektur?“ ist umstritten. Aber es gibt natürlich ein bauliches Erbe. Ein schönes Beispiel ist das junge Team ShamsArd, das mit traditionellen Materialien wie Sand und Erde baut.
Wie ordnen sie diese Projekte ein?
Große kulturelle Bauvorhaben wie das Palestinian Museum sind neu. Hier wird viel investiert. Auch neu an den Projekten und an den Initiativen, die sie im Heft vorstellen, ist, dass sie über das Bauliche hinaus gehen, ihre Mitarbeiter stärken und einen eigenen palästinensischen Arbeitsmarkt kreieren.
Was können Sie über die aktuelle Situation in Gaza berichten?
Wie ist Ihre Arbeitssituation dort?
Der Aufbau in Gaza geht nur langsam voran, die Wasser- und Stromversorgung machen unverändert große Probleme. Die Ein- und Ausreise ist stark reglementiert. Die Menschen sind sehr frustriert. Das Sicherheitsrisiko wird noch immer hoch eingeschätzt, unsere Arbeit ist daher nur eingeschränkt möglich. So bin ich z.B. gehalten, nicht in Gaza zu übernach-ten – die Grenze schließt um 15.30 Uhr, da bleiben jeweils nur einige Stunden vor Ort.
Denkmalschutz in Palästina
Interview mit Fida Touma (Architektin, war bis Ende 2014 Co-Direktorin von Riwaq)
Frau Touma, die Organisation Riwaq betreibt Denkmalschutz in Palästina. Wie kam es dazu?
1991 begann Suad Amiry mit einigen Helfern das Projekt. Die Architektin war Mitte der 80er Jahre aus dem Ausland zurück nach Palästina gekommen, um historische Bauforschung zu betreiben. Ziel von Riwaq ist es, das kulturelle Erbe zur Entwicklung des Landes zu nutzen, auch wirtschaftlich. Heute haben wir stabile Beziehungen mit zahlreichen Gemeinden und genießen landesweit einen guten Ruf. Nicht die Polizei wird gerufen, wenn ein Gebäude beschädigt wird, sondern wir. Jedes Jahr erhalten wir etliche Anfragen, weitere Gebäude in unser Sanierungsprogramm aufzunehmen.
Welches sind Herausforderungen Ihrer Arbeit?
In der Westbank, wo wir derzeit hauptsächlich arbeiten, fehlt ein ausreichendes Denkmalschutzrecht. Lokale Behörden können die historischen Zentren zwar im Rahmen des Planungsprozesses unter Schutz stellen, die Urbanisierung und die Tatsache, dass Bauland extrem knapp ist, verhindern dies aber oft. Wir selbst haben keine hoheitlichen Befugnisse, und so sind schon viele Gebäude verloren gegangen. Es gibt zwar einen Gesetzentwurf aus dem Jahr 2004, der von Riwaq und der juristischen Fakultät der Universität Bir Zait für das Ministerium für Tourismus und Altertümer ausgearbeitet wurde. Er liegt aber auf Eis, da seither die gesetzgebende Versammlung nicht wieder einberufen worden ist. Das Ministerium arbeitet nun mit der UNESCO zusammen daran,  das Gesetz per Unterschrift des Präsidenten in Kraft treten zu lassen.
Nach einer zehnjährigen Bestandsaufnahme historischer Gebäude in der Westbank haben Sie 50 Dörfer als Entwicklungsstandorte ausgewählt. Was geschieht dort?
In jedem der 50 historischen Zentren arbeiten wir in drei Bereichen: bauliche Restaurierung, strategisch-rechtlicher Schutz durch die Aufnahme der historischen Gebäude in einen Masterplan und Organisation von kulturellen und wirtschaftlichen Aktivitäten zur Revitalisierung.
Was passiert mit den Projekten, wenn Ihre Arbeit abgeschlossen ist?
Alle Gebäude wurden für gemeinnützige Organisationen restauriert und umgebaut. Sie können die sanierten Gebäude für mindestens zwölf Jahre mietfrei nutzen. Auf diese Weise haben wir schon 75 lokale Einrichtungen unterstützt.

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