Pizza in Peking

Boris Schade-Bünsow entdeckt in der chinesischen Hauptstadt architektonische Leidenschaft

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin

Boris Schade-Bünsow entdeckt in der chinesischen Hauptstadt architektonische Leidenschaft

Boris Schade-Bünsow entdeckt in der chinesischen Hauptstadt architektonische Leidenschaft


Pizza in Peking

Boris Schade-Bünsow entdeckt in der chinesischen Hauptstadt architektonische Leidenschaft

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin

Die meisten Pizza-Bäckerinnen und Pizza-Bäcker auf diesem Planeten waren noch nie in Italien, geschweige denn in Apulien, Kampanien oder gar in Neapel. Das merkt man besonders, wenn man gerade nicht in Italien, in Apulien, Kampanien oder gar in Neapel ist, beziehungsweise isst. Das ist bei einer Pizza, ganz egal wie sie ausfällt, nicht so schlimm, spätestens zwei Wochen später ist sie vergessen – zwei Jahrzehnte später allemal.
Dumm nur, wenn auch Bauschaffende manchmal den Eindruck vermitteln, als ob sie noch nie auch nur in der Nähe vom Ort des Geschehens waren. Die meisten internationalen Architekten, die innerhalb des zweiten Rings von Peking gebaut haben – der zweite Ring umschließt das Stadtzentrum und den historischen Kern der chinesischen Hauptstadt –, scheinen, während sie entworfen haben, in Gedanken weit weg gewesen zu sein. Weit weg von China und weit weg von Peking. Und wenn sie zumindest in Gedanken doch dort gewesen sein sollten, dann hat es sie offensichtlich nicht weiter beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Gebaut haben sie willfährig in Peking, was immer sie wollten und was die Investoren bezahlt haben. Kaum etwas vom historischen Peking ist dabei übriggeblieben, die Stadt wurde nicht weiter-, sondern fast vollkommen neu gebaut.
Inzwischen kümmern sich junge chinesischen Architektinnen und Architekten, international ausgebildet und sozialisiert, leidenschaftlich um die Reste des ursprünglichen Pekings. In den wenigen traditionellen Hutongs, die den „großen Sprung nach vorne“, die „Kulturrevolution“ und die Investorenträume der jüngeren Vergangenheit überlebt haben, machen ihre architektonischen Minimal-Interventionen diese Viertel wieder attraktiv – als ob sie zwischen 1950 und 2010 im Dornröschen-Schlaf gelegen hätten.
Und dort gibt es nun Pizza Margherita, mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum und mit in Sojaöl gedünstetem Knoblauch. Und mit Leidenschaft.

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