Ausweiden?

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Sebastian Redecke macht sich seine Gedanken darüber, was geschieht, wenn der Flughafen BER vielleicht bald leergeräumt sein wird

Sebastian Redecke macht sich seine Gedanken darüber, was geschieht, wenn der Flughafen BER vielleicht bald leergeräumt sein wird


Ausweiden?

Text: Redecke, Sebastian, Berlin

Der Beitrag „Brücken für Omsk“ erschien in Bauwelt 5.2013. Damals hatte ich den Vorschlag unterbreitet, den Flughafen Berlin Brandenburg BER wegen unlösbarer baulicher Prob-leme noch vor Fertigstellung aufzugeben, die Innereien zu verkaufen und die große Halle einer neuen, einfacheren Nutzung zuzuführen. Die derzeitigen Berliner Flughäfen in Tegel und Schönefeld müssten dann eben noch weitere 10 oder 15 Jahre mit zusätzlichen provisorischen Anstückelungen dienen, bis ein neuer Flughafen weit außerhalb der Hauptstadt mit einem professionellen chinesischen Planungs- und Bau-Schnellmanagement entsteht. Ich habe 2013 nicht ahnen können, dass in der Folge tatsächlich heimlich von der Flughafengesellschaft Überlegungen angestellt werden, sich vom Geldschluck-Monster BER-Baustelle zu trennen, bevor es alle auffrisst. Ich weiß auch nicht, ob man sich heute noch in Omsk über die Fluggastbrücken freuen würde. Die quietschen inzwischen sicherlich, wenn man sie in Bewegung setzt. Nun erfahren wir, dass am Flughafen tatsächlich geräumt wird, allerdings Leichteres. Ende Oktober wurden für die Flüchtlinge die edlen Wartesessel von Vitra mit dezent braunem Stoffbezug und hölzernem Korpus verladen, zur neuen Berliner Registrierungsstelle gebracht und in langen, engen Reihen aufgestellt. Angeblich sind sie nur ausgeliehen. Die Dinge werden alt. Ob aus diesem Grund nun doch eine Ausweidung stattfindet? Was ist mit den Durchleuchtungsanlagen bei der Passagier- und Handgepäckkontrolle und den Check-in Schaltern mit Gepäckband? Kann man die verkaufen, bevor sie nicht mehr richtig funktionieren? Die Nachfrage wäre sicher groß, und bei den laschen, stümperhaften BER-Managern bekäme man sie zum Schnäppchenpreis. Ein dicker Verkaufs-Brocken wäre bestimmt auch die Gepäcksortier- und -verteilanlage, damals im Probelauf als hochmodern gelobt und inzwischen zu klein. Mit dem Ausweiden des Flughafens ergäbe sich aber ein neues Problem. Sollte er doch noch irgendwann für betriebsbereit erklärt werden, würde bei der Ausstattung Grundlegendes nicht mehr vorhanden sein, da eine rechtzeitige Neubestellung der Innereien zu kompliziert ist oder vergessen wurde. Ein solches Szenarium wäre durchaus denkbar, da es beim BER kollektiv und chronisch an Koordinations-Intelligenz mangelt.      

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