Modulschule in Frankfurt am Main


90 hölzerne Raummodule werden aus Österreich nach Frankfurt am Main gefahren und dort gestapelt. Kommt Ihnen bekannt vor? Richtig: Die Gesamtschule am Riedberg von NKBAK ist die jüngere Schwester der Europäischen Schule. Familienähnlichkeiten inklusive


Text: Friedrich, Jan, Berlin


    Die neue Gesamtschule am Frankfurter Riedberg von NKBAK, bestehend aus 90 hölzernen Raummodulen.
    Foto: Thomas Mayer

    Die neue Gesamtschule am Frankfurter Riedberg von NKBAK, bestehend aus 90 hölzernen Raummodulen.

    Foto: Thomas Mayer

    Die 90 Module wurden – fix und fertig mit Wänden, Fenstern, Sanitärobjekten und Elektroverkabelung ...
    Foto: Thomas Mayer

    Die 90 Module wurden – fix und fertig mit Wänden, Fenstern, Sanitärobjekten und Elektroverkabelung ...

    Foto: Thomas Mayer

    ... in einer Werkhalle der österreichischen Holzbaufirma Kaufmann Bausysteme vorfabriziert und auf Tiefladern nach Frankfurt gebracht.
    Foto: Thomas Mayer

    ... in einer Werkhalle der österreichischen Holzbaufirma Kaufmann Bausysteme vorfabriziert und auf Tiefladern nach Frankfurt gebracht.

    Foto: Thomas Mayer

    Die beiden Klassentrakte sind leicht gegeneinander verschoben. So ergeben sich Eingänge an beiden Enden des Flurs.
    Foto: Thomas Mayer

    Die beiden Klassentrakte sind leicht gegeneinander verschoben. So ergeben sich Eingänge an beiden Enden des Flurs.

    Foto: Thomas Mayer

    Die Fassade besteht aus sägerauen, unbehandelten Brettern aus Douglasie, die im Laufe der Zeit vergrauen.
    Foto: Thomas Mayer

    Die Fassade besteht aus sägerauen, unbehandelten Brettern aus Douglasie, die im Laufe der Zeit vergrauen.

    Foto: Thomas Mayer

    Im Eingangsbereich
    Foto: Thomas Mayer

    Im Eingangsbereich

    Foto: Thomas Mayer

    Der größte Raum der Schule, der Speise-/Mehrzwecksaal, ist sieben Module breit.
    Foto: Thomas Mayer

    Der größte Raum der Schule, der Speise-/Mehrzwecksaal, ist sieben Module breit.

    Foto: Thomas Mayer

    Die sieben auf neun Meter großen Klassenzimmer bestehen dagegen aus drei Modulen ...
    Foto: Thomas Mayer

    Die sieben auf neun Meter großen Klassenzimmer bestehen dagegen aus drei Modulen ...

    Foto: Thomas Mayer

    ... zwei Randelementen mit je einer Seitenwand und einem Unterzug sowie einem mittleren Element mit zwei Unterzügen ohne Wand.
    Foto: Thomas Mayer

    ... zwei Randelementen mit je einer Seitenwand und einem Unterzug sowie einem mittleren Element mit zwei Unterzügen ohne Wand.

    Foto: Thomas Mayer

    Blick aus dem Flur im 1. Obergeschoss
    Foto: Thomas Mayer

    Blick aus dem Flur im 1. Obergeschoss

    Foto: Thomas Mayer

    Die einzige Farbe in der Schule markiert die Bewegungsflächen, den Fußboden in den Fluren.
    Foto: Thomas Mayer

    Die einzige Farbe in der Schule markiert die Bewegungsflächen, den Fußboden in den Fluren.

    Foto: Thomas Mayer

    Die Treppenhäuser sind rundherum „eingefärbt“.
    Foto: Thomas Mayer

    Die Treppenhäuser sind rundherum „eingefärbt“.

    Foto: Thomas Mayer

    Die Architekten NKBAK wurden inzwischen mit einer Erweiterung der Schule beauftragt, die rechtwinklig an der Westseite anschließen soll. Bereits 2015 hatte das Büro eine Holzmodulschule in Frankfurt fertiggestellt, die Europäische Schule in der Nordweststadt.
    Foto: Thomas Mayer

    Die Architekten NKBAK wurden inzwischen mit einer Erweiterung der Schule beauftragt, die rechtwinklig an der Westseite anschließen soll. Bereits 2015 hatte das Büro eine Holzmodulschule in Frankfurt fertiggestellt, die Europäische Schule in der Nordweststadt.

    Foto: Thomas Mayer

Gelegentlich geschieht Folgendes: Man ist irgendwo hingefahren, um das neue Gebäude von Büro XYZ zu besichtigen, dessen Arbeit man seit Längerem verfolgt. Dann muss man feststellen: Das Haus ähnelt doch stark dem vor nicht allzu langer Zeit fertiggestellten Haus aus der Feder desselben Büros. Es gleicht ihm so sehr, dass man sich die Reise hätte sparen können.
Gänzlich anders liegt die Sache bei der Integrierten Gesamtschule Kalbach-Riedberg in Frankfurt am Main von NKBAK: Uns interessierte das Gebäude vor allem genau deshalb, weil es der vor zwei Jahren vom selben Büro gebauten Europäischen Schule so ähnlich ist. Weil es, wenn man so will, eine zweite Version desselben Hauses darstellt. Wieso machte uns hier neugierig, was wir sonst als ärgerlich empfinden?
Man muss ein bisschen ausholen. Im April 2015 hatte die Europäische Schule Frankfurt ihren dringend benötigten Erweiterungsbau bezogen (Bauwelt 21.2015). Der war in nicht einmal eineinhalb Jahren Planungs- und Bauzeit entstanden. Das Frankfurter Büro NKBAK (die fünf Buchstaben sind das Akronym der Büroinhaber Nicole Kerstin Berganski und Andreas Krawczyk) hatte das Haus in Holzmodulbauweise konzipiert – und mit ihm den für alle sichtbaren Beweis angetreten: Architekten können, auch wenn es immer wieder bezweifelt wird, innerhalb kürzester Zeit ein ausgesprochen gut gemachtes öffentliches Gebäude entwerfen und bauen.
Weshalb diese erste Schule von NKBAK über die gelungene räumliche Disposition und die stimmigen Details hinaus so bemerkenswert war: Die Architekten hatten sich der Modulbauweise bedient, um schnell bauen zu können, und die Konstruktionsart wirkte sich natürlich auf das Aussehen der Schule aus. Doch Berganski und Krawczyk erlagen nicht der Versuchung, den Modulbau als Gestaltungsprinzip in den Vordergrund zu spielen. Wer genau hinschaut, kann erkennen, dass die Europäische Schule aus Raumeinheiten gestapelt wurde, aber das drängt sich nirgendwo auf. Das Gebäude wurde vielfach veröffentlicht und ausgezeichnet, so 2015 mit dem Hessischen Holzbaupreis, 2017 gab es Anerkennungen beim Deutschen Holzbaupreis und beim Deutschen Architekturpreis.
Ein Gebäude, das aus sich wiederholenden Einheiten zusammengesetzt ist, impliziert immer auch eine mögliche Wiederholbarkeit nicht nur dieser Raumeinheiten, sondern des ganzen Hauses – sei es in derselben oder in abgewandelter Form. Im Prinzip ist natürlich jedes konventionell konstruierte Gebäude genauso wiederholbar; doch würde man da eine Replik, wie eingangs ausgeführt, als Zeichen mangelnder Originalität empfinden. Beim Modulbau kommt einem Derartiges nicht in den Sinn: Weil die Wiederholung systemimmanent ist. Insofern war man von Anfang an gespannt, ob die Europäische Schule ein Einzelkind bleiben oder – zumal in Zeiten erheblichen Schulmangels in vielen deutschen Städten – ob sie Geschwister bekommen würde. Und wenn ja, wie groß die Familienähnlichkeit in diesem Fall wohl wäre.
Exakt zwei Jahre später ist es nun so weit, die jüngere Schwester der Europäischen Schule kennenzulernen. Kaum drei Kilometer entfernt, am südwestlichsten Rand des neuen Frankfurter Stadtteils Riedberg, hat NKBAK ein Schulhaus für die neu gegründete Integrierte Gesamtschule Kalbach-Riedberg gebaut – in ähnlicher Konzeption und in derselben Bauweise.
Die neue Schule ist räumlich etwas simpler: ein dreigeschossiger Zweibund, die Klassentrakte nördlich und südlich eines drei Meter breiten Flurs angeordnet und leicht gegeneinander verschoben, sodass sich der Flur an beiden Enden natürlich belichten ließ und man hinausschauen kann. Wieder bestehen Unterrichts- und Verwaltungsräume, Toiletten und Treppenhäuser aus (insgesamt 90) Modulen, die – fix und fertig mit Wänden, Decken, Fenstern, Sanitärobjekten, Heizkörpern und Elektroverkabelung – in einer Werkhalle der Vorarlberger Holzbaufirma Kaufmann Bausysteme vorfabriziert und auf Tiefladern nach Frankfurt gebracht wurden. Die Module sind drei Meter breit und sieben Meter lang. Die sieben auf neun Meter großen Klassenzimmer sind jeweils aus drei Modulen zusammengesetzt: aus zwei Randelementen mit je einer Seitenlängswand aus Brettsperrholz und einem freitragenden Unterzug aus Baubuche sowie ­einem mittleren Element mit zwei Unterzügen ohne Wand. Treppenhäuser, Toiletten und Verwaltungsräume sind nur ein respektive zwei Module breit. Alles ging noch etwas schneller als bei der ersten Schule: Im September 2015 wurden die Architekten beauftragt, Mitte Dezember 2016 war Bauabnahme.
Wieder haben die Architekten gut proportionierte, helle Klassenzimmer und Erschließungsflächen geschaffen. Den großen Unterschied zum Vorläuferbau macht die Fassade: Während den Holzmodulen der Europäischen Schule eine Aluminiumhaut vorgehängt ist, sind es diesmal sägeraue Bretter aus Douglasie. Allein das ist mehr als ausreichend, um hier – trotz der unverkennbaren Ähnlichkeiten – vor und in einer eindeutig anderen Schule zu stehen.
Klares Fazit: Wenn es so gut gemacht ist wie hier, muss man vor modularer Fertigung – warum eigentlich nicht auch von Wohnhäusern? – keine Angst haben. NKBAK jedenfalls arbeiten gerade an Aufträgen für eine Kindertagesstätte in Saarbrücken, ein Kinderhaus in Reutlingen und eine große Schule in Berlin. Inzwischen taucht die Anforderung, mit Modulen zu bauen, übrigens schon deutschlandweit in der einen oder anderen Wettbewerbsauslobung auf.



Fakten
Architekten NKBAK, Frankfurt am Main
Adresse Carl-Hermann-Rudloff-Allee Frankfurt am Main


aus Bauwelt 20.2017
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