Sicherheit für das Amerikahaus?

Text: Stumberger, Rudolf, München

Foto: Michael Heinrich

Foto: Michael Heinrich


Sicherheit für das Amerikahaus?

Text: Stumberger, Rudolf, München

Die Architektur der Nachkriegsmoderne gilt mit ihren offenen und transparenten Gebäuden als Instrument zur Demokratisierung Deutschlands. In München ist das Amerikahaus ein Beispiel dieser Zeit. Wer soll die 1957 eröffnete Kultur­einrichtung am Karolinenplatz nach der Sanierung nutzen?
Das Vorhaben, hier künftig die Büros der Münchner Sicherheitskonferenz unterzubringen, stößt auf Kritik: Die Offenheit des Hauses gerate in Gefahr.
„Wir haben das als Haus der Befreiung gesehen, als ein Denkmal für die Demokratie“, sagt Franz Simm. Der 87-Jährige ist einer der Architekten des hellen Gebäudes. Im Rahmen von Sparmaßnahmen hatte die US-Regierung 1997 ihre Kultur- und Informationsarbeit im Amerikahaus eingestellt. Der Freistaat übernahm das Haus wenig später als Bayerisch-Amerikanisches Zentrum. Nach einer Sanierung soll dort nun das Büro der Sicherheitskonferenz einziehen. Kritiker befürchten, das Haus würde seinen offenen Charakter verlieren, die Opposition im Bayerischen Landtag hat sich daher dagegen ausgesprochen.
Ein Haus im optimistischen Geist der fünfziger Jahre. Von oben fällt das Sonnenlicht herab durch die Kuppel der Rotunde und erhellt das Foyer. Im Erdgeschoss hängen derzeit großformatige Aufnahmen von Menschen am Orchard Beach, einem der Strände von New York City. Im zweiten Obergeschoss trifft man auf eine Foto-Ausstellung über den Blues im amerikanischen Süden. Und im dritten Obergeschoss sitzt Meike Zwingenberger an ihrem Schreibtisch, sie ist seit Jahresbeginn Geschäftsführerin der neuen „Stiftung Bayerisches Amerikahaus GmbH – Bavarian Center for Transatlantic Relations“. Diese Stiftung hat die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH mit dem Freistaat Bayern als alleinigem Gesellschafter. Von der Heizung ertönt leises, aber stetes Klopfen. „Das rührt von der Luft in den Rohrleitungen her“, sagt die Geschäftsführerin, „und ist einer der Gründe, warum das Haus saniert werden muss.“ Vieles befindet sich noch im Originalzustand der fünfziger Jahren, zum Beispiel die Bestuhlung im großen Konzertsaal.
Das in München und Dresden ansässige Architekturbüro Knerer und Lang qualifizierte sich 2013 in einem VOF-Verfahren für die Generalsanierung. „Aufgrund der historischen Rolle des Amerikahauses, der exponierten städtebaulichen Setzung und der Vorbildfunktion der bayerischen Staatsbauverwaltung kommt dem Denkmalschutz bei dieser Aufgabe eine große Bedeutung zu“, so die Architektin Eva Maria Lang. Ziel der Planung sei, neben der Anpassung an heutige Standards, der Erhalt des Erscheinungsbildes und der vorhandenen Ausstattungsdetails des Gebäudes. Die Sanierung soll das Raumangebot den neuen Anforderungen anpassen, bauliche Mängel beseitigen, die energetische Bilanz verbessern und sensibel mit Originalgestalt und Substanz umgehen. Die Obergeschosse sollen sich verschiedene Büronutzungen mit angemessenem Standard eignen.
Nach der Sanierung wird es, so die gegenwärtige Planung, allerdings eine umstrittene Neuheit geben: Ins dritte Ober­geschoss soll das Büro der Münchner Sicherheitskonferenz (Siko) als Mieter einziehen. Dieses Büro mit rund zehn Mitarbeitern hat – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – derzeit seinen Sitz in der Prinzregentenstraße 7. Die Sicherheitskonferenz ist ein jährlich Ende Januar in München stattfindendes Treffen hochrangiger Politiker, Militärs und Wirtschaftsvertreter, das vom Bundespresseamt und von zahlreichen Unternehmen finanziell unterstützt wird. Seit 2011 hat die vormalig „private“ Konferenz die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH, deren ständiges Büro das Jahr hindurch internationale Konferenzen zu außen- und sicherheitspolitischen Fragen organisiert. Die Räume in der Prinz­regentenstraße gehören dem Freistaat und stehen dem Siko-Büro kostenfrei zur Verfügung, müssen aber demnächst ebenfalls renoviert werden. Die Idee mit dem Amerikahaus als neuem Domizil kam von der Staatsregierung „Wir haben uns nicht darum bemüht, das Angebot wurde an uns herangetragen“, so ein Sprecher der Siko.
 Die Konferenz wird jedes Jahr von Großdemonstrationen begleitet, was jeweils mit hohen Sicherheitsmaßnahmen der Po­lizei und der Einrichtung einer Sicherheitszone rund um den Tagungsort des Bayerischen Hofes verbunden ist. Kritiker dieser Büro-Lösung fürchten eine Beeinträchtigung der offenen Struktur des Amerikahauses durch die zu erwartenden Sicherheitskontrollen. Der Erhalt der offenen Struktur ist auch das Anliegen der Opposition im Bayerischen Landtag. So stellte sie Ende Januar einen interfraktionellen Antrag, in dem SPD, Freie Wähler und Grüne fordern, dass der „Münchner Sicherheitskonferenz weder ein Stockwerk noch auch nur einzelne Räumlichkeiten im Gebäude des Amerikahauses zur Verfügung“ gestellt werden. Für Isabell Zacharias, die für die SPD im Wissenschaftsausschuss sitzt, würde das zur Einrichtung von Sicherheitszonen führen und das „Ende einer offenen Kultureinrichtung“ bedeuten. Zu den Kritikern gehört neben der Landtagsopposition auch der Architekt Franz Simm. Während er mit den sonstigen Umbaumaßnahmen „seines“ Hauses durchaus einverstanden ist, würde er eine derartige Nutzung bedauern: „Das hat doch schon diese politische Klammer.“
Wie aus Fünfziger-Jahre-Leichtigkeit eine Festung wird, lässt sich am US-Generalkonsulat an der Königinstraße betrachten. Auch Heinrich Oberreuter, Mitglied im Beirat des Amerikahauses, kritisierte zunächst den geplanten Einzug des Siko-Büros als „ministerielle Fantasie“. Inzwischen seien bei ihm die Bedenken ausgeräumt. Das Kultusministerium habe ihm versichert, dass Sicherheitsschleusen nur im dritten Obergeschoss eingebaut würden. Im Gleichklang dazu der Sprecher des Siko-Büros: „Das Amerikahaus wird ein offenes Haus bleiben.“ Man will jetzt die Landtagsopposition zu einem parlamentarischen Abend einladen, um sie von dem „problemlosen Zugang“ zu überzeugen. Auch Geschäftsführerin Zwingenberger konstatiert: „Wir wollen eine offene Struktur.“ 

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