Neue Zentren des Südens

Rathaus, Bibliothek und Bürgersaal in Remseck am Neckar

Text: Crone, Benedikt, Berlin

1.Preis: o5 architekten. raab hafke lang, Frankfurt am Main
Zeichnung: Architekten

1.Preis: o5 architekten. raab hafke lang, Frankfurt am Main

Zeichnung: Architekten


1.Preis: o5 architekten. raab hafke lang, Frankfurt am Main
Rendering: Architekten

1.Preis: o5 architekten. raab hafke lang, Frankfurt am Main

Rendering: Architekten


Neue Zentren des Südens

Rathaus, Bibliothek und Bürgersaal in Remseck am Neckar

Text: Crone, Benedikt, Berlin

Abstatt, Hochdorf, Litzelstetten: Vor allem in Süddeutschland suchen Ortschaften mit Wettbewerben nach Ideen für ihre Mitte. Remseck am Neckar will seinen Bewohner ein ganzes Forum errichten, mit Rathaus, Bibliothek und einem „Bürgersaal“.
Sie haben ein paar Tausend Einwohner, liegen im ländlichen Bayern oder Baden-Württemberg und profitieren nicht selten von Pendlern nach Stuttgart, München oder Freiburg: Gemeinden, die ihre Mitte durch einen Wettbewerb zu einem „Forum“ der Bewohner ausbauen wollen. Gefragt sind Ideen, wie sich der Verkehr aus dem Zentrum lenken, eine Kreuzung zum Treffpunkt gestalten, oder in der Mitte noch Platz für Kita, Schule und Einzelhandel finden lassen. Hinzu kommt oft der Wunsch nach einem neuen Rathaus, das derzeit entweder eine kantig-moderne Kubatur erhält, wie im bayerischen Straßkirchen (Drei Architekten, Stuttgart), oder – als Bekenntnis zum Ländlichen – ein Satteldach, wie in Hochdorf im Bezirk Tübingen (Lieb+Lieb Architekten, Freudenstadt). An den Wettbewerben beteiligen sich überwiegend kleinere Büros aus der Region, selten internationale, wie das Studio Swes aus Sevilla, das im Herbst den Rathausneubau in Denklingen, 50 Kilometer südlich von München, gewann. 
Bei dem im März entschiedenen Wettbewerb für die „Neue Mitte“ der 24.000-Einwohner-Stadt Remseck nördlich von Stuttgart ging es gleich um das Gesamtpaket: Rathaus, Bibliothek, Tiefgarage und ein Veranstaltungshaus, den „Bürgersaal“, galt es für den sogenannten Hechtkopf zu entwerfen. Die idyllisch gelegene Landzunge, an der die Rems in den Neckar fließt, soll abschnittsweise bebaut werden. Zwei Fußgängerbrücken und ein Bootshaus am nördlichen Zipfel bleiben erhalten, ein Bürobau, der Verwaltungssitz des Ortes, wird abgerissen.
Remseck gibt es erst seit 40 Jahren: Fünf Dörfer und eine Wohnsiedlung für US-Streitkräfte schlossen sich 1975 zur Gemeinde zusammen. Bis heute vermisst der Ort einen historischen Kern. Seit 20 Jahren liebäugelt die Stadt daher mit der Idee, sich selbst eine Mitte zu errichten, die alle Einrichtungen bündeln und die Landzunge als „Alleinstellungsmerkmal“ des Ortes entwickeln soll. 2011 erfolgte schließlich ein Ideenwettbewerb für die Lage öffentlicher Gebäude, von Geschäften und einer Wohnbebauung. Ebenfalls im Plan verzeichnet: eine Brücke, die in Zukunft die stark befahrenen Straßen entlang der „Neuen Mitte“ entlasten soll. Die damals mit dem 1. Preis gekürte Planung vom Düsseldorfer Büro Thomas Schüler und den Landschaftsarchitekten faktorgrün war für den Realisierungswettbewerb nicht bindend. Dennoch hielten sich dessen Preisträger fast durchgängig an die Vorgaben, platzierten das Rathaus im Süden und den Bürgersaal im Osten des Grundstücks.
Nur der Bibliotheksbau wurde freier behandelt: Die Architekten HERTL (3. Preis), die besonderen Wert auf die Uferbebauung legten, setzten ihn als Solitär an den Nordrand und das Stuttgarter Büro Birk Heilmeyer und Frenzel (2. Preis) sattelte ihn als letzten Bauabschnitt auf den Riegel des „Bürgersaals“. Schaudt Architekten (4. Preis) wagten einen stärkeren Bruch mit der Vorlage und tauschten reihum die Plätze von Rathaus, Bürgersaal und dem Bibliotheksbau, der so am Ende einer Achse übers Ufer ragt – zur Freude der Jury, die jedoch die unruhigen Vor­hang­fassaden des Entwurfs kritisierte. Die gewünschte Ordnung lieferten schließlich o5 architekten (1. Preis) mit einem bekanntem Prinzip: ein klares Raster aus Lochfassaden, Kolonnaden aus Naturstein, hier und da hohe Fenster zur Auflockerung und schon hat Remseck sein eigenes Forum. Strenger getaktet als das antike, große Vorbild aus Rom.
Beschränkter Realisierungswettbewerb
1. Preis o5 architekten. raab hafke lang, Frankfurt am Main; KuBuS freiraumplanung, Berlin  
2. Preis Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Stuttgart
3. Preis HERTL Architekten, Steyr (Österreich)
4. Preis Schaudt Architekten, Konstanz; Landschaftsarchitekt Johann Senner, Überlingen
Anerkennung hjp architekten, Schweinfurt-Grafenrheinfeld
Anerkennung Michel+Wolf+Partner, Stuttgart
Anerkennung harris+kurrle, Stuttgart
Engere Wahl Muffler Architekten, Tuttlingen
Fakten
Architekten o5 architekten. raab hafke lang, Frankfurt am Main; Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Stuttgart; HERTL Architekten, Steyr; Schaudt Architekten, Konstanz
aus Bauwelt 14.2014
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