Gab’s was Neues auf der Expo Real?

Text: Escher, Gudrun, Xanten

Gab’s was Neues auf der Expo Real?

Text: Escher, Gudrun, Xanten

Messen zeigen Messeneuheiten. Bei Immobilien ist das nicht so einfach, weil über die Hälfte der Bauleistungen in Deutschland im Bestand erbracht werden und die Immobilien in den Investoren-Portfolios ja meist schon existieren. Auf der Messe zeigt man viel lieber, was es noch nicht gibt, d.h. Projektentwicklungen, also demnächst Neues. Daher mag der Eindruck herrühren, dass Messen wie die Münchner Expo Real, die vom 6. bis 8. Oktober stattfand, nur wenig mit dem Geschehen „draußen“ zu tun hätten. Richtig – und falsch zugleich. Auch hier wird in den Hinterzimmern der Messestände verhandelt, werden Kontakte zu denjenigen angebahnt, die die neuen Projekte finanzieren sollen oder Profite einstreichen wollen (Bauwelt 46).
Dass das auch geht, ohne sich real zu treffen, beweist seit vier Jahren der „asset profiler“, eine internetbasierte Plattform für den Austausch von Angebot und Nachfrage; neu ist, dass inzwischen zwei Plattformen betrieben werden, eine für Grundstücke und Projektentwicklungen und eine für Bestandsobjekte. Die Asset Profiler GmbH sitzt mit ca. zehn Mitarbeitern in Hamburg und prüft Anbieter und Nachfrager ganz konventionell auf Herz und Nieren. Denn wer sensible Daten ins Netz stellt, müsse sich auf Datensicherheit und Vertraulichkeit verlassen können. Ein Drittel der derzeit rund 900 Nutzer seien Makler, war zu hören, der Wert der verhandelten Objekte belaufe sich auf etwa 7 Milliarden Euro. Zukunftsvision sei die durchgängige Datenbasis „von der Wiege bis zur Bahre“ eines Gebäudes.
Eine „Innovation“, die der Immobiliendienstleister Bulwiengesa zusammen mit dem Projektberater Markus Vogel aus Berlin bei einem Rundgang präsentierte: der noch im Projektstatus befindliche Büroneubau von aurelis real estate im Frankfurter Europaviertel. „The Brick“ heißt der Siebengeschosser, weil außen ziegelverkleidet. Auf der Messe erhielt er medienwirksam das DGNB Vorzertifikat in Silber, u.a. weil hier tatsächlich weniger mehr ist: weniger Ausbaustandard, aber mehr Nettomietfläche, weniger CO2 (480 kg/p.a.) aber mehr Flexibilität dank vorgespannter Decken mit 3, 10 m Stützabstand, mehr Orientierung daran, was Nutzer wirklich brauchen, dafür weniger Miete und Nebenkosten (20 Euro/qm). Das ist etwa die Hälfte von dem, was nebenan verlangt wird. Mit neuer Bescheidenheit die Aufwärtsspirale am typischen Frankfurter Büromarkt durchbrechen? Zumindest könnte das Konzept Investoren nachdenklich stimmen – und Architekten auch.

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