Eine neue Perspektive

Editorial

Text: Kraemer, Oriana; Lengkeek, Arie; Schultz, Brigitte, Berlin

    Drei aktuelle Großprojekte in Rotterdam: Der umgebaute Hauptbahnhof von Team CS (grün), die Markthalle von MVRDV (rot) und der Komplex "De Rotterdam" von OMA.

    Drei aktuelle Großprojekte in Rotterdam: Der umgebaute Hauptbahnhof von Team CS (grün), die Markthalle von MVRDV (rot) und der Komplex "De Rotterdam" von OMA.

    Die Konstruktion der gigantischen Markhalle von MVRDV besteht aus Bögen von 110 Metern Länge, 70 Metern Breite und 40 Metern Höhe. Sie ist seit 2009 in Bau und soll in diesem Jahr fertig werden.
    Ossip van Duivenbode

    Die Konstruktion der gigantischen Markhalle von MVRDV besteht aus Bögen von 110 Metern Länge, 70 Metern Breite und 40 Metern Höhe. Sie ist seit 2009 in Bau und soll in diesem Jahr fertig werden.

    Ossip van Duivenbode

    Unter den überdachten Marktflächen von 2000 Quadratmetern befindet sich eine Tiefgarage mit 1100 Stellplätzen.
    MVRDV

    Unter den überdachten Marktflächen von 2000 Quadratmetern befindet sich eine Tiefgarage mit 1100 Stellplätzen.

    MVRDV

    In dem zwölfgeschossigen Bogenbau haben die Architekten Gastronomie, Lebensmittelgeschäfte und rund 250 Eigentums- und Mietwohnungen untergebracht.
    Ossip van Duivenbode

    In dem zwölfgeschossigen Bogenbau haben die Architekten Gastronomie, Lebensmittelgeschäfte und rund 250 Eigentums- und Mietwohnungen untergebracht.

    Ossip van Duivenbode

    Im Gegensatz zum Archetyp einer Markthalle, die sich mit einer geschlossenen Fassade von der Stadt abschottet, ...
    Ossip van Duivenbode

    Im Gegensatz zum Archetyp einer Markthalle, die sich mit einer geschlossenen Fassade von der Stadt abschottet, ...

    Ossip van Duivenbode

    ... öffnet sich die Rotterdamer Halle ...
    Ossip van Duivenbode

    ... öffnet sich die Rotterdamer Halle ...

    Ossip van Duivenbode

    ... mit vollverglasten Stirnseiten seiner Nachbarschaft.
    Ossip van Duivenbode

    ... mit vollverglasten Stirnseiten seiner Nachbarschaft.

    Ossip van Duivenbode

    "De Rotterdam" von OMA befindet sich im Hafenviertel "Kop van Zuid". Der Komplex aus drei Türmen mit einer Gesamtfläche von 162.000 Quadratmetern ist das flächenmäßig größte Gebäude der Niederlande.
    Ossip van Duivenbode

    "De Rotterdam" von OMA befindet sich im Hafenviertel "Kop van Zuid". Der Komplex aus drei Türmen mit einer Gesamtfläche von 162.000 Quadratmetern ist das flächenmäßig größte Gebäude der Niederlande.

    Ossip van Duivenbode

    Wie schon beim Hochhausbügel für das CCTV in Beijing versucht OMA die Möglichkeiten eines Wolkenkratzers neu auszuloten: Durch die Zergliederung in drei Baukörper wird die traditionelle Organisation überdacht.
    Ossip van Duivenbode

    Wie schon beim Hochhausbügel für das CCTV in Beijing versucht OMA die Möglichkeiten eines Wolkenkratzers neu auszuloten: Durch die Zergliederung in drei Baukörper wird die traditionelle Organisation überdacht.

    Ossip van Duivenbode

    Neben einem massiven, dreißig Meter hohen Sockel mit einer öffentlichen Eingangshalle ...
    OMA

    Neben einem massiven, dreißig Meter hohen Sockel mit einer öffentlichen Eingangshalle ...

    OMA

    ... umfassen die drei Türme des 150 Meter hohen Komplexes 72.000 Quadratmeter Bürofläche, 240 Wohnungen, ein Hotel mit 285 Zimmern, eine Garage für 670 Autos sowie Kino-, Konferenz- und Fitnessräume.
    OMA

    ... umfassen die drei Türme des 150 Meter hohen Komplexes 72.000 Quadratmeter Bürofläche, 240 Wohnungen, ein Hotel mit 285 Zimmern, eine Garage für 670 Autos sowie Kino-, Konferenz- und Fitnessräume.

    OMA

    Glasanteil, Breite und Tiefe der Fensterprofile variieren je nach Funktion hinter der Fassade.
    Ossip van Duivenbode

    Glasanteil, Breite und Tiefe der Fensterprofile variieren je nach Funktion hinter der Fassade.

    Ossip van Duivenbode

    "Rotterdam Centraal" wurde vom Team CS, einer Kooperation von Benthem Crouwel, MVSS, Meyer en Van Schooten und West 8, als neue "Eingangspforte" der Stadt und Haltestelle für den "HSL Zuid" konzipiert.
    Team CS

    "Rotterdam Centraal" wurde vom Team CS, einer Kooperation von Benthem Crouwel, MVSS, Meyer en Van Schooten und West 8, als neue "Eingangspforte" der Stadt und Haltestelle für den "HSL Zuid" konzipiert.

    Team CS

    Der Hauptbahnhof soll als Großform zwischen der Nordseite mit kleinteiliger Bebauung aus dem 19. Jahrhundert (rechts) und der Südseite mit Großbauten aus dem 20. Jahrhunderts (links) vermitteln.
    Ossip van Duivenbode

    Der Hauptbahnhof soll als Großform zwischen der Nordseite mit kleinteiliger Bebauung aus dem 19. Jahrhundert (rechts) und der Südseite mit Großbauten aus dem 20. Jahrhunderts (links) vermitteln.

    Ossip van Duivenbode

    Das monumentale Portal des südlichen Haupteingangs öffnet sich dem modernen vertikalen Zentrum der Stadt.
    Ossip van Duivenbode

    Das monumentale Portal des südlichen Haupteingangs öffnet sich dem modernen vertikalen Zentrum der Stadt.

    Ossip van Duivenbode

    Komplex und einfach zugleich: Unter dem langen Glasdach werden Bahnsteige, Büros, Gewerbe, Gastronomie und die Eingangshalle vereint.
    Team CS

    Komplex und einfach zugleich: Unter dem langen Glasdach werden Bahnsteige, Büros, Gewerbe, Gastronomie und die Eingangshalle vereint.

    Team CS

    Jannes Linders

    Jannes Linders

    Der ausführliche Artikel "Rotterdam Groot" von Tom Avermaete zu den drei neuen Rotterdamer Großbauten erscheint am Freitag in der
    Stadtbauwelt
    Ossip van Duivenbode

    Der ausführliche Artikel "Rotterdam Groot" von Tom Avermaete zu den drei neuen Rotterdamer Großbauten erscheint am Freitag in der
    Stadtbauwelt

    Ossip van Duivenbode

„Open City“
Foto: Graffiti Research Lab, Rotterdam

„Open City“

Foto: Graffiti Research Lab, Rotterdam


Eine neue Perspektive

Editorial

Text: Kraemer, Oriana; Lengkeek, Arie; Schultz, Brigitte, Berlin

Wie entwickelt sich heutzutage Stadt? Wer ergreift die Initiative, wer bestimmt, wer investiert, wer schreibt die neuen Geschichten, wer hat die Deutungshoheit? Unter den Vorzeichen der Wirtschaftskrise und unter dem Einfluss eines starken zivilgesellschaftlichen Engagements werden derzeit in vielen europäischen Städten die Rollen neu verteilt. Die alten, hierarchischen Modelle von Top-down und Bottom-up geraten in Bewegung.
Stadtverwaltung, Wirtschaft und Bürger testen neue Formen der Zusammenarbeit, in der sie sich zunehmend auf Augenhöhe begegnen. Der aktivere Part dieser „horizontalen“ Kommunikation kann dabei unterschiedlich eingenommen werden: Stadtverwaltungen öffnen sich Einflüssen von außen – Outside-in – oder vermitteln ihre Zielvorstellungen Inside-out im offenen Dialog in die Stadt. Ein Städtepaar, das diese neuen Herangehensweisen derzeit hervorragend verdeutlicht, sind Rotterdam und Antwerpen.
Outside-in: Rotterdam
Rotterdam galt lange Zeit als Inbegriff großmaßstäblicher Planung „von oben“, mit der die Stadt nach dem zweiten Weltkrieg ihre Innenstadt neu entwickelte. Inzwischen ist sie das Paradebeispiel einer Outside-in-Planung: Die Stadtplaner ha­ben sich in vielen Bereichen von ihrer alten Führungsrolle verabschiedet und holen neue Partner – privatwirtschaftliche wie bürgerschaftliche – mit ins Boot. „Wir haben früher Gott gespielt“, gibt Martin Aarts, ein leitender Planer der Stadt, in unserer Diskussionsrunde unumwunden zu. „Jetzt suchen wir nach einer fruchtbaren Form der Zusammenarbeit.“
Diese Strategie hat zu einer spannenden Mischung aus einzelnen architektonischen Stadtbausteinen auf der einen und kleinen Initiativen auf der anderen Seite geführt. Die Stadtbausteine, die als hybride Großbauten in der Innenstadt entstehen, sind allerdings – ohne Einbindung in eine übergeordnete Masterplanung – Fragmente, die eine große Verantwortung für die Erneuerung der Stadt tragen. Bei den vorgestellten Gebäuden – dem Hauptbahnhof von Team CS, der Markthalle von MVRDV und der „vertikalen Stadt“ De Rotterdam von OMA – sieht unser Autor diese schwierige Balance zwischen Privatinteressen und Gemeinwohl als gelungen an. Zukunftsfähiger scheint die Taktik der Stadt in Zeiten der wirtschaftlichen Flaute allerdings im kleinen Maßstab. So fördert sie Initiativen von Bürgern, Unternehmern und Kulturschaffenden, die ihr Recht auf Teilhabe am Bau der Stadt mit unkonventionellen Methoden wahrnehmen. Das reicht von Crowd-Funding, mit dessen Hilfe das Architekturbüro ZUS ein neues Wegenetz implementiert, bis zu einem Fondssystem, mit dem Wohnungsbaugesellschaften das Kapital ei­nes Quartiers neu verteilen. Gleich auf mehreren Ebenen wird zudem Stadterneuerung im Selbstbau angeregt: Während die Stadt den heruntergekommenen Baubestand ihrer Vorkriegsarchitektur als sogenannte „Bastelhäuser“ umsonst oder für wenig Geld an eine sanierungswillige Mittelschicht vergibt, renoviert ein privates Bauunternehmen nach dem selben Prinzip unter dem Label „Één blok stad“ mit den zukünftigen Bewohnern ganze Straßenzüge.
Inside-out: Antwerpen
Auch Antwerpen hat sich die Erneuerung der Stadt auf die Fahnen geschrieben, verfolgt diese aber Inside-out: Die Geschichte von Antwerpen wird zentral geschrieben und von der städtischen Verwaltung mit Hilfe des Strukturplans von Secchi und Viganò beständig nach außen getragen. Seit 1996 steuert ein Stadtbaumeister als qualitätssichernde Instanz diesen „Slow Urbanism“, der sich auf Grund seiner Gemächlichkeit und Kooperationsfreude als flexibel und krisenfest herausgestellt hat.
Ob eine städtische Gesellschaft in armen Vierteln verfallene Gebäude an strategischen Punkten aufkauft, renoviert und als familienfreundliche Stadthäuser wieder auf den Markt bringt oder ob Konversionsflächen, initiiert durch die Stadt, von Privaten revitalisiert werden  – Projekte aller Größenordnungen und Akteurskonstellationen müssen sich mit den Zielen des Strukturplans auseinandersetzen. Bewundernswert ist dabei, wie die Stadt Investoren nicht nur die Stirn bietet, sondern sie durch kluge Verträge und eine enge Zusammenarbeit zu Verbündeten macht. 
Dass man sich mit einem solchen Selbstbewusstsein  auch Feinde macht, zeigte sich im Februar mit der unerwarteten Absetzung des Antwerpener Stadtbaumeisters Kristiaan Borret, der engagiert mit uns an dieser Ausgabe gearbeitet hat. Ob Antwerpen es sich leisten kann, auf einen starken Stadtbaumeister zu verzichten, bleibt abzuwarten. Möglicherweise wird die fragile Balance zwischen Markt, Stadt und Bürgern gerade wieder einmal neu austariert.
Fakten
Architekten MVRDV, Rottedam; OMA, Rotterdam; Team CS
aus Bauwelt 12.2014
Artikel als pdf

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