
10.10
S. 35
Als Kunst sind Comics schon lange anerkannt, und seit dem Auftauchen der Graphic Novels findet man sie auch im Literaturteil der Zeitungen. Warum also nicht auch einmal einen Comic in der Bauwelt besprechen, vor allem, wenn es von ei-nem bekannten Bauwerk handelt und zudem noch von einer studierten Architektin, nun „überzeugten Ex-Architektin“, gezeichnet und geschrieben wurde.
Schultz, Brigitte, Berlin

Ruedi Baur
7-8.10
S. 42
Signalgelb leuchtet der Einband mit sieben rot typografierten Verben. Antizipieren, hinterfragen, einschreiben, irritieren, ornamentieren, übersetzen, unterschieden. Sieben Gebote ohne bevormundenden Imperativ. Auf übliche Titelei verzichtet das Layout. Nach leeren gelben Seiten, nur mit römischen Ziffern paginiert, die das Buch auch beschließen, beginnt in medias res der Text. Der frankophone Schweizer Designer Ruedi Baur hat zu seiner 2002 erschienenen Werkschau Ruedi Baur Intégral + Partners eine Art Folgeband im selben handlichen Format von 17,5 x 25 cm vorgelegt.
Hotz, Jürgen

Paul L. Knox, Heike Mayer
7-8.10
S. 40
Das ist das Fazit: Die Publikation ist unnötig. Die Texte sind banal, die Bilder nichtssagend, das Literaturverzeichnis diffus und nicht aktuell. Das Ergebnis ist betulich und naiv: Marktszenen und Kaffeehausszenen, etwas Citta Slow Food, kreative Klasse und lokale Wirtschaftskreisläufe – die Kleinstadt zwischen Gentrifizierung und New Urbanism. Beispiele aus der Toskana, dann aus Großbritannien, aus Deutschland, aus den USA runden das Potpourri ab: Vollkommen unerklärlich in der Auswahl, keineswegs repräsentativ und auch nicht so aufgearbeitet, dass die Ansätze oder Konzepte vergleichbar wären. Das Ergebnis ist folgerichtig das Zerrbild der Kleinstadt.
Klauser, Wilhelm, Berlin

Markus Otto, Karl Plastrotmann, Lars Scharnholz, Ilija Vukorep
7-8.10
S. 40
Mit dem Ende der DDR ging im Osten Deutschlands bekanntlich ein massiver Strukturwandel einher, der bis heute an den Städten ablesbar ist. Neben Kasernenanlagen sind es vor allem Industriebauten, die aus ihrer ursprünglichen Nutzung herausfielen. Doch der Wissenstransfer bei der Konversion und Entwicklung solcher Industriebrachen aus dem Westen in den Osten reichte für deren Wiederbelebung nicht aus. Das vorliegende Handbuch ist daher aus einem Forschungsvorhaben des „Instituts für Neue Industriekultur“ (INIK) hervorgegangen, das sich speziell dem brandenburgisch-polnischen Grenzgebiet gewidmet hat. Entstanden ist dabei eine sehr gut lesbare und leicht verständliche Hilfestellung, die für den Umgang mit den häufig stadtbildprägenden und denkmalwerten Industriearealen ein strategisches Instrumentarium bietet.
Tietz, Jürgen, Berlin

G. Ulrich Großmann
4.10
S. 36
Ostwestfalen und die Soester Börde – diese Gegenden stehen nicht gerade im Mittelpunkt allgemeiner Aufmerksamkeit, und als hot spot für Architektur- und Kunst-Aficionados gelten sie schon gar nicht, obwohl sie sehr wohl Bau- und Kunstdenkmäler von überregionaler Bedeutung aufweisen. Dementsprechend überschaubar ist das Angebot an Publikatio-nen, die das Land zwischen A1, A2, A44 und Weser für diese Klientel aufbereiten: Der letzte DuMont-Kunstreiseführer zur Region etwa erschien in den 1980er Jahren und ist nicht mehr im Programm.
Brinkmann, Ulrich, Berlin

Peter Hammacher, Ilse Erzigkeit und Sebastian Sage (Hrsg.)
4.10
S. 36
Planen und Bauen ist für die Einen kreatives Gestalten, für Anderen ein knallhartes Geschäft, für die Dritten Erfüllung eines lang ersehnten Traumes. Und noch immer wird es begleitet von mängelbehafteter Ausführung, Firmenpleiten und endlosen Gerichtsverhandlungen. Dass es sich beim Einsatz von Mediation im Planen + Bauen nicht um eine neue, diesmal meditative „Versenkungstechnik“ des Geschäftspartners oder Subunternehmers handelt, sondern um einen zukünftigen Wirtschaftsfaktor, stel-len die Autoren in humoriger Sprache mit Beispielen aus dem Bau- und Planungsalltag vor. Und tatsächlich kann sich in dem Buch jeder auf seiner „Baustelle“ wiederfinden.
Berndt, Petra Heidrun, Berlin

Herausgegeben von Ralph Lindner und Hans-Peter Lühr
3.10
S. 36
Seit der Gründung 1908 haftet der Gartenstadt Hellerau (bei Dresden) ungeachtet ihrer nur kurzen Glanzzeit eine außergewöhnliche Ausstrahlung in alle Bereiche von Kunst und Kultur an. Die Vielfalt der baulichen Strukturen, von kleinen typisierten Reihenhäusern bis hin zu individuellen, frei stehenden Landhäusern, sowie die gestalterischen Unterschiede durch die Einbeziehung verschiedener Architekten hoben Hellerau heraus aus der Masse des Siedlungsbaus und machte es zum Experimentier- und Präsentationsfeld der Reformarchitektur.
Scheffler, Tanja, Dresden

Hartmut Ellrich
3.10
S. 35
Trotz der Mythenbildung um die Zerstörung der „unschuldigen“ Stadt Dresden ist das Thema der Nazi-Architektur zurzeit en vogue. Nachdem bereits Matthias Donath im letzten Jahr in der nur regional bekannten Edition der Sächsischen Zeitung „Architektur in Dresden 1933–1945“ herausgebracht hat, veröffentlicht jetzt Hartmut Ellrich einen Band mit dem Schwerpunkt auf den gesellschaftspolitischen Aspekten der Zeit. Der vollmundigen Ankündigung „Die verdeckten Zeugnisse der ‚Gauhauptstadt‘. Hitlers Umgestaltungspläne für die Barockmetropole.“ wird die Publikation jedoch nicht gerecht. Denn die städtebaulichen Planungen werden nur partiell und äußerst knapp abgehandelt. Vorrangig wird die Bedeutung einzelner noch vorhandener Gebäude während der Zeit des „Dritten Reiches“ erläutert.
Scheffler, Tanja, Dresden

Jan Pieper
3.10
S. 35
Querschnitte sind selten in der Baugeschichte. Autoren bevorzugen in der Regel das Bohren in die Tiefe, und die Last der Jahre reißt den Leser dann häufig hinab. Eine horizontal angelegte Betrachtung hingegen verblüfft und begeistert, öffnet sie doch ganz neue Horizonte.
Klauser, Wilhelm, Berlin

Frank Schmitz
1-2.10
S. 64
In der Weimarer Republik noch eine der wichtigsten Bauaufgaben, führte der Massenwohnungsbau nach 1933 bekanntlich eher ein Schattendasein. Ungebrochen dagegen war die Bautätigkeit im Bereich der privaten Wohnhäuser, welche vom Staat insbesondere durch Steuererleichterungen gefördert wurde – und rasch auch wieder behindert, denn im Zuge der Kriegsvorbereitungen kam es zur Reglementierung des Einsatzes von Stahl oder Beton, zur Verknappung von Holz, aber auch von Arbeitskräften und generell der Baukapazitäten.
Gympel, Jan, Berlin