Zweimal OMA; Digital per Hand

Editorial

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Spix, Sebastian, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin


Zweimal OMA; Digital per Hand

Editorial

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Spix, Sebastian, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin

Das konzeptionelle Denken in großen, gemischt genutzten und fest in das Umfeld eingebundenen Strukturen steht bei OMA weiter im Vordergrund – und fasziniert. Thema ist die effiziente aber auch effektvoll inszenierte Organisation des Programms mit Feinheiten in der Materialwahl, Farbgebung und Möblierung. Zwei aktuell fertiggestellte Bauten stechen in dieser Hinsicht heraus: Das Universitätsgebäude Lab City in Saclay im Südwesten von Paris und der Ministerienkomplex Rijnstraat 8 am Hauptbahnhof von Den Haag.
In Saclay ist dieses Konzept von der Freiheit im flexiblen Gebrauch des Gebäudes geprägt. Rem Koolhaas und Ellen van Loon lösen das strenge Funktionskonzept eines eher abgeschotteten Forschungszentrums auf und fügen es mit den Lehrbereichen der Hochschule und einem weitläufigen zentralen Forum zusammen. Die offenen Raumzonen der internen Straßen und die Terrassen der unterschiedlich hohen Bauten machen das Gesamtkonzept einer offenen „Landschaft“ sofort lesbar. In Den Haag wird durch eine Kombination aus Entfernen und Anfügen sowie durch das Implementieren einer neuen Erschließung und Durchwegung ein Bestandsgebäude aus den 90er-Jahren zur Büromaschine. Ein massiver Durchbruch in der Querachse lässt eine öffentliche Plaza entstehen. Durch eine Kombination aus Arbeitszonen, Team- und Einzelbüros transformieren OMA den Bestand in einen Ministerienkomplex, der mit mehr Gemeinschaftsflächen und weniger individuellen Arbeitsplätzen auskommt. Dadurch wird dem Bestreben Rechnung getragen, mehr Teilzeitarbeitsplätze und flexible Arbeitszeiten zu etablieren. Genauso unbefangen wie in Saclay Forscher und Studenten, arbei­-
ten nun in Den Haag Beamte unter einem Dach zusammen.
Digitale Handzeichnungen
Wie nennt man Zeichnungen, die digital generiert analoge Atmosphären erzeugen? Lange Zeit waren architektonische Darstellungen entweder technischer oder atmosphärischer Natur. Seit dem in den 90er-Jahren das Handzeichnen durch den Computer ersetztwurde, dominiert in vielen Architekturbüros das Rendering als Darstellungsmedium. Mit einer Sprache der Fotografie lassen sie Fiktion real aussehen. Nach
25 Jahren geht der Trend wieder in eine handwerklich-analoge Richtung. Er konnte erst durch das digitale Werkzeug neu erfunden werden. Der Ursprung der pseudoanalogen Zeichnung liegt in Japan. Ihre Inten­tion damals: „Noch ist Nichts fix!“ Am Lehrstuhl für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege der TU München wurde sogar das Aquarell wiederentdeckt und weiterentwickelt.
Fakten
Architekten OMA, Rotterdam
aus Bauwelt 24.2018
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