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Badgespräche 03

  • Links: Villa Binningen | Rechts: Andreas Bründler und Daniel Buchner

    Links: Villa Binningen | Rechts: Andreas Bründler und Daniel Buchner 

  • Villa Binningen: Die Bäder sind innenliegend und haben Oberlichter, so dass ein höhlenartiger Raumeindruck entsteht.

    Villa Binningen: Die Bäder sind innenliegend und haben Oberlichter, so dass ein höhlenartiger Raumeindruck entsteht. 

  • Links: Lofthaus in Basel | Rechts: Wohnhaus Linescio

    Links: Lofthaus in Basel | Rechts: Wohnhaus Linescio 

Interview: Florian Thein Fotos: Dominique Marc Wehrli, Ruedi Walti 

Das Archaische im Minimalen

Interview 1

Rohe Betonoberflächen im Außenbereich, innen reduzierte Ausbauten aus weiß pigmentiertem Beton, kombiniert mit hell lasierten Lärchenholzmöbeln – das Wohnhaus in Binningen von Buchner Bründler Architekten zeugt beispielhaft von der Lust am Weglassen. Als konzeptionelle Größe zieht sich die gestalterische Kraft der Reduktion durch sämtliche Arbeiten des Schweizer Büros. Natur und Ursprung dienen dabei oftmals als Referenz.


Ist ihre Architektur minimalistisch?


Andreas Bründler: Minimalismus ist ja auch zum Stilbegriff geworden. Wir würden unsere Arbeit nicht a priori diesem Stil zuordnen, aber sicherlich lieben wir die Reduktion auf das Wesentliche. Uns geht es darum, durch Weglassen das architektonische Konzept in eine bauliche Schärfe zu setzen. Eine möglichst präzise Schärfe. Das kann man natürlich als minimalistisch lesen, vielleicht ist es aber auch einfach signifikant.

Mies van der Rohe meinte einmal, man solle das Einfache nicht mit dem Simplen verwechseln – was unterscheidet für Sie das Einfache vom Simplen?

Sicherlich gibt es da eine Unterscheidung. Das Einfache steht am Ende eines langen Prozesses. Es lässt sich nicht sofort finden, sondern ist das Resultat konstanter Arbeit. Seine Erschaffung bedingt eine Arbeitsweise, dadurch kann es gegenüber dem Simplen eine eigene Dynamik entwickeln. Das Simple reflektiert dagegen eher die Möglichkeit einer Idee, die einfach verständlich ist und so in der Wirkung überzeugen kann. Beim Simplen wirkt die Spontanität. Darin liegt auch seine Berechtigung – im Unkomplizierten. Das kann für die Gebrauchstauglichkeit einen ungeheuren Wert haben.

Das heißt auch, was minimalistisch anmutet, erfordert oft ein Maximum an Planung.

An der Präzisierung eines Konzeptes zu arbeiten ist das eine, in der Detaillierung so weit zu kommen, dass man die Sache formal in den Griff bekommt, das andere. Das kann unter Umständen bedeuten, dass man etwas erfinden muss – dass man baut, was noch nicht gebaut wurde, um dem spezifischen Ort und dem Konzept gerecht zu  werden.

Ihre Bäder zeigen bei aller Zurückhaltung auch sehr praktische Details, wie eine durchlaufende Wandnische als Abstellmöglichkeit im Bad des Hauses Binningen, aber auch sinnlich anmutende, wie die kleine Vertiefung für Kerzen im Bad des Lofthauses in Basel. Sie sagen, bei den Wohnhäusern konnten Sie individuellen Vorstellungen folgen und Extreme ausloten.

Formale Einfachheit heißt ja nicht, dass da nicht auch eine programmatische Komplexität mitschwingt. Dass man über die Nutzbarkeit eine formale Vielschichtigkeit erzeugen kann, ist hierbei sicherlich ein sehr interessanter Punkt.
Beim Bad im Lofthaus sind aber nicht unbedingt die kleinen Details das Außergewöhnliche, sondern die Tatsache, dass dieses Badezimmer Teil eines Großraumes ist. Für uns ist das Bad immer Teil eines architektonischen Raumkonzeptes, das den gesamten Wohnraum kontrolliert. Es ist in unseren Arbeiten nie losgelöst, sondern immer im Kontext und als Teil einer programmatischen Konditionierung zu sehen.
In diesem Fall befindet sich das Bad im Kern und ist zum Raum hin verglast. Das ist formal sehr simpel, gleichzeitig aber auch nachhaltig, da man das Badezimmerlicht kaum einschalten muss. Daraus folgt allerdings auch, dass die Grundstruktur des Bades kaum Schutz bietet. Das muss dann auf der Ebene des Nutzers mit Hilfe von Vorhängen stattfinden.

Der Schutz der Bewohner vor Einblicken hatte auch bei der Villa in Binningen, die sich in einem dichten Konglomerat von Einfamilienhäusern befindet, Einfluss auf das Entwurfskonzept.

Das Gebäude orientiert sich stark nach innen. Das Konzept basiert auf der plastischen Durchbildung eines steinernen Körpers, in dessen Zentrum ein Atrium vielseitige Sichtverbindungen innerhalb des Gefüges ermöglicht. Die Umgebung wird dagegen mittels verschiedener muraler Elemente gezielt ausgeblendet. Wir haben uns auf wenige, großzügige Öffnungen nach Außen beschränkt, deshalb liegen die Bäder auch im Gebäudeinneren und werde zenital belichtet. Allseitig vom gleichen Material umschlossen – Glasmosaik im Kinderbad, Beton bei den Eltern – entsteht in den Bädern ein höhlenartiger Raumeindruck.


Das Bad des Anfang des Jahres fertiggestellten Wohnhauses Linescio im Tessin scheint auch vom Ursprünglichen bestimmt.

Beim Wohnhaus Linescio handelt es sich um einen Einbau in eine bestehende, rurale Architektur. Das Gebäude war früher ein Nutzbau. In dieser Gegend gibt es sehr viele Kastanienwälder, von denen die Einheimischen ursprünglich gelebt haben. Daraus ist eine Architektur entstanden, die der Lagerung und Verarbeitung von Kastanien diente. Der Gebäudeteil, in dem sich jetzt das Bad befindet, war eigentlich der Raum, in dem getrocknet und geräuchert wurde. Der hölzerne Aufbau auf dem steinernen Sockel hat sich im Laufe der Zeit dunkel verfärbt. Man kann sagen, es war ein Feuerraum. Genau hier jetzt mit dem Wasser zu spielen, ist sehr kraftvoll und spannend.
Da der Umbau hauptsächlich als Sommerhaus genutzt wird, entschied man sich, ein einfaches Bad, einen „Wasserraum“, unterzubringen, obwohl praktisch Außenklima herrscht. Der Wind geht durch die Ritzen, aus denen früher der Rauch abzog. Dass man hier den Wetterbedingungen ausgesetzt ist, ist Teil des Erlebnisses und der Atmosphäre – die Natur ist stark an diesem Ort.

Deshalb auch die größtmögliche Reduktion technischer Elemente?

Ja, sicher. Der Wasserraum beinhaltet nur Wanne und Dusche, das WC und der Waschtisch sind, räumlich getrennt, im Hauptgebäude untergebracht.
Als Gegenstück zum überhöhten, hölzernen Aufbau haben wir im Boden ein Wasserbecken geschaffen. Das ruhende Wasser liegt horizontal in dieser Senke, die aus einem Stück mit dem Boden in Beton gegossen ist.
Das dynamische Wasser fällt dagegen vertikal aus zwei, drei Metern Höhe, wenn man in der Wanne steht. Der Druck des Wassers wird hier richtig spürbar.
Objekte wie diese lassen wir gerne handwerklich fertigen. Auch das Waschbecken im Hauptgebäude ist aus Beton. Als Nische ausgebildet ist es Teil der Wand. Seitlich fließt das Wasser aus einem einfachen, geraden Stahlrohr. Das ist vergleichbar mit Dorfbrunnen, die oftmals auch nur einen Rohrstift ohne irgendwelche Krümmung haben.

Wohnt dem Natürlichen etwas Minimales inne?

Wenn man es auf die Unmittelbarkeit der Begegnung ansetzt, sicherlich. Die Natur ist formal endlos komplex, aber im Umgang mit den Elementen ist sie archaisch.

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