Dossier
Paul Baumgarten
Mit dem transparenten Ensemble des Bundesverfassungsgerichts hat Paul Baumgarten (1900 - 1984) einer der wichtigsten Institutionen der Bundesrepublik ein Gesicht gegeben. In Karlsruhe wird das Baumgarten-Erbe derzeit umfassend saniert, in Berlin war man zum Teil weniger behutsam: der Plenarsaal des Reichstagsgebäudes, das Baumgarten wiederaufgebaut hatte, ist verschwunden, ebenso die ehemalige Bewag-Hauptverwaltung (1962-68) am Landwehrkanal. Präsent ist das schnörkellos moderne Werk Baumgartens allerdings noch an der Universität der Künste, für die er 1954 Berlins ersten Konzertsaal nach dem Krieg baute und in den 70er Jahren die Probebühne. Ein besonderer Fund aus dem Bauwelt-Archiv: die Müllverladestation am Charlottenburger Hafen, ein funktionalistischer Industriebau von 1937.
BERLIN
Ein Müllverladebahnhof
Die Bilder und Zeichnungen zeigen eine sehr saubere und straffe Planung. Diese verdient besondere Aufmerksamkeit bei dem Bau des Pferdestalls, der für einen nicht ganz starken Architekten eine willkommene Gelegenheit zu falscher Romantik hätte sein können.
BERLIN
Konzertsaal der Berliner Hochschule für Musik
Die Ungeduld Berlins, endlich nach dem Krieg wieder einen Konzertsaal zu bekommen, war so groß, dass die ersten Proben noch während der Bauarbeiten stattfanden.
aus Bauwelt 49.1954BERLIN
Evangelische Kirche am Lietzensee
Daß der Architekt sich für diesen "offenen" Raum entscheiden konnte, dankt er nicht zuletzt der für eine Großstadtkirche besonders schönen Lage am Osthang über dem Lietzensee.
aus Bauwelt 48.1959BERLIN
Erweiterungsbauten der Bewag
Der Landwehrkanal im "alten Westen". Zwei auf Stützen stehende Hochhäuser erhalten durch ihre Stellung und durch die maßstäbliche Angleichung dem Shell-Haus von Emil Fahrenkamp die dominierende Position in der neuen Gebäudegruppe.
aus Bauwelt 2.1969KARLSRUHE
Bundesverfassungsgericht
Wesentlich erscheint, dass die Feststellungen dieses Gerichts klar und verständlich sein müssen, transparent. Dieser Transparenz hat der Architekt Ausdruck gegeben: Transparenz als ständige Aufgabe, als ständige Forderung.
aus Bauwelt 48.1969Berlin
Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes
Die behutsame Hand Baumgartens wird durch die Maßstäblichkeit seiner Einbauten spürbar, die in krassem Gegensatz stehen zu der Maßstabslosigkeit Paul Wallots, der sich von den Reizen des Fassadenzeichnens vergewaltigen ließ.
aus Bauwelt 29-30.1975BERLIN
Studiobühne der Hochschule der Künste
Der Berliner Musikkritiker Professor Wolfgang Burde begrüßte zur Eröffnung dies "Theaterinstrument von verblüffender Vielfalt". Noch wird dieser Aufforderung nur zögernd nachgekommen. Die Richtigkeit der Konzeption jedoch ist schon heute offenbar.
aus Bauwelt 17.1977Zum 100. Geburtstag von Paul Baumgarten
Sein eher kleines, aber feines Oeuvre besticht durch kluge Lösungsansätze und sorgsame Detaillierung.
von: Axel Drieschner aus Bauwelt 18.2000BERLIN
Abgerissen: Die ehemalige Bewag-Verwaltung von Paul Baumgarten
Einerseits macht sich die Bewag um die Umnutzung ihrer alten Ab- und Umspannwerke verdient, andererseits gibt sie ihre alte Firmenzentrale bedenkenlos preis.
von: Jürgen Tietz aus Bauwelt 17.2001






