Durch das Erdbeben wurden fünf Millionen Menschen obdachlos. Der Wiederaufbau ist vorrangige Staatsaufgabe, die Regierung belobigt die Erfolge, maßregelt aber die Kritiker. Seit der Naturkatastrophe geht ein tiefer Riss durch die chinesische Gesellschaft: Unbequeme Wahrheiten, unbequeme Fragen
Schnellstraßen, Mülldeponien, Braunkohletagebau, Windräder, was tun damit? Wie sind diese Veränderungen einzuordnen, zu bewerten? Was ist Landschaft heute? Und wie verhält sie sich phänomenologisch zur Natur? Beim "14. Berliner Gespräch" wurde die Landschaft verhandelt, genauer die hässlichen Eingriffe in sie.
Autor/in: Rumpf, Peter, Berlin
Lacaton & Vassal bei archcouture in Halle (Saale)
Gebrauchsspuren
Autor/in: Kasiske, Michae, Berlin
Architekt(en): Lacaton & Vassal, Paris
„Faszination Naef“ heißt der aktuelle Herstellerkatalogvon Naef Spiel – treffender lässt sich das Programmdes seit 2003 im Schweizerischen Zofingenansässigen Holzspielzeugherstellers nicht beschreiben. Über 60 Jahre seines Lebens hat Firmengründer Kurt Naef (1926–2006) dem Material gewidmet: Zunächst während seiner Lehrzeit als Schreiner, seit 1957 als Designer von Holzspielzeug, mit dem er es dank Neugierde, Qualitätsanspruch und Beharrlichkeit zu weltweiter Bekanntheit brachte (Heft 37.08).
Autor/in: Paul, Jochen, München
Claude war eine liebenswürdige Persönlichkeit. Im Gespräch besaß er die große Gabe, sein Gegenüber für seine Projekte und Ideen ganz und gar in seinen Bann zu ziehen. Im Frühjahr, bei der letzten Begegnung in Berlin, war sein Erstaunen groß über die aus seiner Sicht viel zu zögerlichen Planungen einer Bebauung am Flughafen Tempelhof. Er war davon überzeugt, dass der Ort eine entschiedene Geste brauche und skizzierte als Vorschlag einen Gebäudebalken über das weite Rund des Flugfelds.
Autor/in: Redecke, Sebastian, Berlin
Architekt(en): Vasconi,Claude (1940–2009)
Die in den 1960er Jahren gegründeten Universitäten bedürfen inzwischen der architektonischen und räumlichen Erneuerung. Was steht zur Disposition, und was ist unverzichtbarer Teil der Identität?
Autor/in: Brinkmann, Ulrich, Berlin
Architekt(en): Molestina Architekten, Köln; FSWLA, Düsseldorf; H4A, Stuttgart; Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart; Eller + Eller, Düsseldorf; RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn
Ganz unter dem Eindruck der ersten Begegnung mit dem unfassbaren Schrecken der Zerstörung, die das Erdbeben vom 12. Mai 2008 in seiner Heimat Sichuan angerichtet hat, versucht der Architekt, Worte zu finden. Er wird als Gutachter auf das Trümmerfeld der Juyuan-Mittelschule entsandt, die bei ihrem Einsturz mehrere hundert Schüler unter sich begrub. Wie konnte es geschehen, dass so viele Schulen zusammenstürzten? Der Architekt stellt unbequeme Fragen. Er baut zur Erinnerung an Hu Huishan, Schülerin an der Juyuan-Mittelschule, ein ergreifendes Gedenkhaus.
Autor/in: Jiakun, Liu, Chengdu
Das Denkmal für Hu Huishan , Auren/VR China
Autor/in: Jiakun, Liu, Chengdu
Vergangenes Jahr erregte der chinesische Künstler Ai Weiwei weltweit Aufmerksamkeit, als er begann, die Namen aller beim Erdbeben in Sichuan getöteten Schulkinder auf seinen Internet-Blogs zu veröffentlichen. Die Blogs werden auf Anweisung der Regierung immer wieder geschlossen, erscheinen aber alsbald auf anderen Seiten. Parallel begann Ai Weiwei mit Hilfe von Freiwilligen Daten, Fakten und Beweismaterial zu den Einsturzursachen der überproportional betroffenen Schulen zu sammeln. 2010 ist die Veröffentlichung eines Weißbuches geplant. Die Zwischenbilanz macht deutlich, welch gesellschaftlicher Sprengstoff sich hinter der Erdbebenkatastrophe verbirgt.
Autor/in: Weiwei, Ai, Beijing
Das Glossar erklärt einige der wichtigsten Begriffe, die in der Wiederaufbaupraxis Sichuans immer wieder vorkommen, und stellt sie in den Zusammenhang der politischen Realität und der Widersprüche der chinesischen Gesellschaft. Dabei helfen Zitate aus Lokalzeitungen und dem Internet oder Erfahrungsberichte und Protestnoten der Bürger. Wiederaufbau in Sichuan bedeutet vor allem Urbanisierung. Dörfer, Gemeinden und Kleinstädte werden umgesiedelt, zusammengelegt und dabei radikal umstrukturiert. Die Urbanisierung findet auf relativ kleiner Fläche statt und führt dazu, dass sich Macht, Geld und Wirtschaftskraft an den neuen zentralen Orten konzentrieren.
Autor/in: Haoyan, Wei, Chongqing; Xi, Zheng, Chongqing
Der Leiter des Expertenteams zum Wiederaufbau des Erwang-Tempels in Dujiangyan wagt einen ersten Blick zurück: Das Bauwerk war von Anfang an das denkmalpflegerische Schlüsselprojekt, bei dem es nicht nur um die physische Rekonstruktion ging. Planung, Forschung, Archivierung, Vermittlung und Interessenabwägung sind integrale Aspekte eines systematischen Ansatzes zur reflektierten Wiederherstellung und Bewahrung des Patrimoniums. Wenn man alle Aspekte dieses Projekts angemessen berücksichtigt, wird es – davon ist Lü Zhou überzeugt – vom Beispiel zum Vorbild gesellschaftlicher Entwicklung werden.
Autor/in: Zhou, Lü, Beijing
Re-Tumu nennt sich eine Gruppe von idealistischen Architekten, die sich nach dem Erdbeben in Sichuan schnell zusammenfand, um beim Wiederaufbau der verwüsteten Region dabei zu sein. Bereits im Juni 2008 startete sie mit dem „Projekt Neue Schule“ ein höchst ehrgeiziges Unternehmen. Re-Tumu geht es nicht um denkmalpflegerische Kosmetik oder um einen bemäntelnden Wiederaufbau, sondern darum, die Katastrophe als Chance zu begreifen, das chinesische Bildungssystem zu demokratisieren: durch architektonisch ausgezeichnete, bestens ausgestattete und pädagogisch fortschrittliche Dorfschulen.
Autor/in: Zhu, Tao, Hongkong
Architekt(en): Shuqing, Cecilia, Shenzhen
Drei sehr verschiedene Ansätze: Der Entwurf des Design Instituts der Eliteuniversität Tsinghua in Beijing ist ein quasi staatliches Hilfsprojekt. Die Hauptstadt ist dem Kreis Changshu als „Partner“ zugewiesen. Der Entwurf ist durchorganisiert, er besitzt einen effizienten Grundriss und ist errichtet in Stahlbeton-Ziegel-Bauweise. Das Projekt von Shigeru Ban ist für China ein Experiment, entstanden ist eine Schule aus Pappe, ein Provisorium, das durch internationale Hilfe ermöglicht wurde. Bruderhilfe aus Taiwan setzt auf Selbstbau und Partizipation, mit einer Kombination aus ländlicher Bauweise und modernem Material, die Tragstruktur ist aus Leichtmetallprofilen.
Autor/in: Song, Yehao, Beijing
Fast auf den Tag genau vier Monate nach dem Erdbeben wurde im Osten der Stadt Chengdu ein provisorisches Schulhaus aus Kartonröhren für die Hualin-Grundschule übergeben. Dieses Bauwerk ist das erste in China, dessen konstruktives Skelett aus Kartonröhren errichtet ist, und zugleich das erste Wiederaufbauprojekt, das nach der Naturkatastrophe in internationaler Zusammenarbeit fertiggestellt wurde. Verantwortlich für den Entwurf und die Konstruktion waren Shigeru Bans Institut, das Hironori Matsubara Lab der Keio University in Japan und die chinesische Southwest Jiaotong University.
Autor/in: Hong, Yin, Chengdu
Light-Tech und Partizipation, Shazhou/VR China
Autor/in: Rural Architecture Studio, Chengdu
Heinrich Moldenschardt war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der meistbeschäftigten Architekten in Schleswig-Holstein, unter Fachleuten gilt er als wichtigster Vertreter des Historismus, und doch ist sein Name heute weitgehend in Vergessenheit geraten.
Autor/in: Genca, Aylin, Bremen
Die Olympiade 2008 in Beijing und die durch Massenmedien transportierten Bilder konnten zum Verständnis der Wandlung Chinas zum weltweit größten Auftraggeber von neuen Städten und städtebaulichen Erneuerungen nur bedingt beitragen. Zu sehr dominierten in der Berichterstattung über den chinesischen Turbourbanismus die bloßen Analysen einzelner Bauten und Masterpläne, zu mangelhaft war die Aufdeckung struktureller Zusammenhänge.
Autor/in: Kühnast, Sabine, Berlin
Zwischen Kühlungsborn und Prerow liegen 75 Kilometer feinster Sandstrand. Genauso lang war die Küstenlinie von Dubai, bevor sie formenreich ins Meer erweitert wurde und nun 500 Kilometer misst. Die Geschichte der versuchten Urbanisierung Dubais wurde bis jetzt nur anhand von Diagrammen und Weltrekorden erzählt und mit Hochleistungsrenderings bebildert. Dem Hype derer, die davon profitieren, setzen Elisabeth Blum und Peter Neitzke die dringend notwendigen Analyse der Hintergründe dieses Konstrukts und einen Blick aus der Fußgängerperspektive entgegen. In einem neuen Band aus der Reihe Bauwelt Fundamente versammeln sie Architekten, Volkswirtschaftler, Juristen und Geographen und liefern eine vielschichtige Analyse, die mit Interviews ergänzt wird.
Autor/in: Kühnast, Sabine, Berlin
Eine ungewöhnliche Publikation: Ausgehend von zwei Zeitdokumenten entfalten Jörn Düwel und Niels Gutschow die Vorgeschichte der Neuplanung und des Wiederaufbaus von Hamburg nach dem Bombardement im Sommer 1943. Ein Text und eine Fotoserie stehen am Ausgangs- und im Mittelpunkt dieses Buches.
Autor/in: Brinkmann, Ulrich, Berlin
Der „Spiegel“ machte im Juni 1959 mit der Titelgeschichte auf: „Das Wunder von Hannover“. Gemeint war die Nachkriegsaufbauleistung der Stadt unter ihrem Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht. Besonders herausgestellt wurde die vorausschauende Verkehrsplanung, die zur damals weltweit einzigartigen „autogerechten Stadt“ geführt hatte.
Autor/in: Brandenburger, Dietmar, Hannover
Architekten-Monografien gibt es reichlich, Publikationen über Städtebau hingegen sind rar auf den Verkaufstischen der einschlägigen Buchhandlungen. Das mag nicht zuletzt an der trockenen Disziplin liegen, in der sich Verkehrsexperten, Tiefbauingenieure, Planungsämter, Baunutzungsverordnungen, Haushaltspolitiker – und Städteplaner – gegenseitig das Leben schwer machen und in der sich für Architekturfotografen wenig Stoff für reizvolles Arbeiten findet. Dabei bestimmt der öffentliche Raum den alltäglichen Rahmen, in dem sich Fußgänger, Rad- und Autofahrer bewegen bzw. bewegen müssen. Das im vorigen Jahr an der Universität Dortmund gegründete „Deutsche Institut für Stadtbaukunst“ an den Lehrstühlen Städtebau (Christoph Mäckler) und Geschichte und Theorie der Architektur (Wolfgang Sonne) will sich der gestalterischen Seite der Stadt – wieder – zuwenden und die unterschiedlichen Beteiligten wie Soziologie, Ökonomie, Ökologie, Politik, Technologie und Kultur zusammenbringen. Dazu ist nun die erste Publikation erschienen: sechs Vorträge, die im vergangenen Jahr in Dortmund zum Thema gehalten wurden.
Autor/in: Rumpf, Peter, Berlin