Die Europan-Stadt

Ist denn schon wieder ...? Ja, es ist schon wieder Europan. Der größte Architektur- ­und Städtebauwettbewerb des Kontinents für junge Planer geht in die 13. Runde. Deutschland nimmt diesmal mit acht Städten teil. Ein Blick auf das Spektrum der Aufgaben führt vor Augen, wie viele verschiedenartige Aspekte des Städtischen man eigentlich mitdenken muss, wenn man den Begriff der Europäischen Stadt bemüht

Text: Friedrich, Jan, Berlin

    Marl Wenn Ende 2015 die Zeche Auguste Victoria 3/7 den Betrieb einstellt, gehen mehrere Tausend Arbeitsplätze verloren. Das Zechengelände soll der Neuansiedlung von Industrie und Gewerbe Platz bieten.
    Plan: Europan Deutschland

    Marl Wenn Ende 2015 die Zeche Auguste Victoria 3/7 den Betrieb einstellt, gehen mehrere Tausend Arbeitsplätze verloren. Das Zechengelände soll der Neuansiedlung von Industrie und Gewerbe Platz bieten.

    Plan: Europan Deutschland

    Selb Die von Leerstand gebeutelte Innenstadt soll attraktiver werden – mit geringen finanziellen Mitteln
    Plan: Europan Deutschland

    Selb Die von Leerstand gebeutelte Innenstadt soll attraktiver werden – mit geringen finanziellen Mitteln

    Plan: Europan Deutschland

    Feldafing Eliteschule der Nazis, seit 1960 Fernmeldeschule der Bundeswehr; die verlässt das Areal in naher Zukunft: Am Starnberger See werden 31 Hektar frei.
    Plan: Europan Deutschland

    Feldafing Eliteschule der Nazis, seit 1960 Fernmeldeschule der Bundeswehr; die verlässt das Areal in naher Zukunft: Am Starnberger See werden 31 Hektar frei.

    Plan: Europan Deutschland

    Gera Wer hat eine schlagende Idee, wie sich die Brache am Kultur- und Kongresszentrum nutzen ließe?
    Plan: Europan Deutschland

    Gera Wer hat eine schlagende Idee, wie sich die Brache am Kultur- und Kongresszentrum nutzen ließe?

    Plan: Europan Deutschland

Die Europan-Stadt

Ist denn schon wieder ...? Ja, es ist schon wieder Europan. Der größte Architektur- ­und Städtebauwettbewerb des Kontinents für junge Planer geht in die 13. Runde. Deutschland nimmt diesmal mit acht Städten teil. Ein Blick auf das Spektrum der Aufgaben führt vor Augen, wie viele verschiedenartige Aspekte des Städtischen man eigentlich mitdenken muss, wenn man den Begriff der Europäischen Stadt bemüht

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Schnörkellos knüpft Europan 13 an den Vorgänger an: The Adaptable City, das Thema von Europan 12 (Bauwelt 17–18.2014), ist zu The Adaptable City 2 geworden. Die Entscheidung der Europan-Gremien, kein neues Motto zu suchen, scheint richtig. Schließlich hat sich der Rahmen für Stadtplanung in Europa in den vergangenen zwei Jahren nicht wesentlich verändert.
Allerdings gibt es einen neuen Untertitel: Self-Organisation, Sharing, Process. Die drei Begriffe sind hilfreich, weil sie präzisieren, was Stadtplanung leisten muss, um Strukturen zu schaffen, die „adaptable“, also anpassungsfähig, sind: Planung muss alle möglichen Formen der Selbstorganisation und Beteiligung zulassen, muss gemeinschaftliche Nutzungen fördern, muss sich neben der Form einer Stadt mindestens ebenso mit dem Prozess befassen, der zu dieser Form führen kann. Deutschland ist mit acht Standorten bei Europan 13 vertreten. Ein Blick auf die ganz unterschiedlichen Aufgaben, die zu bearbeiten sind, vermittelt vielleicht besser als irgendeine Streitschrift, welche Bandbreite von Herausforderungen junge Planer heute bewältigen müssen.
Klassische Aufwertungsstrategien sind dabei. So sollen auf untergenutzten Flächen im Bamberger Osten, den eine Bahntrasse von der UNESCO-gelisteten Altstadt trennt, städtebauliche Identifikationspunkte geschaffen werden. Ingolstadt sucht für den nördlichen Eingang zur Altstadt eine Neugestaltung des öffentlichen Raums, der bislang vor allem dem Straßenverkehr vorbehalten ist. Beide Aufgaben stehen unter dem Thema Zäsuren zu Verknüpfungen transformieren. In Feldafing am Starnberger See wird 2019 ein 31 Hektar großes Gelände frei, das die Bundeswehr als Fernmeldeschule nutzt. Die Stadt möchte frühzeitig Ideen auf dem Tisch haben, wie sich diese Leerstelle ins Stadtgefüge integrieren lässt. Landsberg und Schwäbisch Gmünd rufen die Teilnehmer auf, auszuprobieren, wie sich Monostrukturen – in Landsberg ein Gewerbegebiet, in Schwäbisch Gmünd ein Bildungszentrum – durch Programmerweiterungen urbanisieren lassen. Frische Impulse für den urbanen Raum nutzen, heißt das Thema dort.
Wer sich für Standorte in der Kategorie Defiziten eine positive Dynamik abgewinnen entscheidet, geht dahin, wo es weh tut. Das fränkische Selb sucht Ideen für die Stadtmitte, die seit dem Niedergang der heimischen Porzellanindustrie mit dem ganzen Spektrum von Schrumpfungsproblemen zu kämpfen hat – von Leerstand bis Verfall (Bauwelt 7.2014). In Gera sind Konzepte für eine Brache im Zentrum gefragt, die durch den Abriss von Wohnungen entstanden ist und seither nicht zu füllen war; Investoren, so ist in der Auslobung zu lesen, stehen nicht gerade Schlange. In Marl schließlich werden mit der Abwicklung einer Zeche Ende 2015 Tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Um das möglichst am Ort zu kompensieren, soll das Zechenareal Stand- ort für Industrie und Gewerbe bleiben.
Insgesamt gibt es 49 Europan-Standorte in 15 Ländern. Bei Redaktionsschluss interessierten sich laut Anmelde-Statistik auf der Europan-Website übrigens die meisten Teilnehmer für die Aufgabe im norwegischen Bergen: Wohnungsbau direkt am Fjord, in einem wohlhabenden Land, wo eine Realisierung wahrscheinlich ist.

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